Stefania Przybył (DE)

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Autorin: Ewa Maria Slaska

Beitrag gefertigt am Rande des Projekts "Frauen im Schatten der Guillotine. Polinnen im Gefängnis Plötzensee". Stefania Przybył ist dem Tod in Plötzensee entwichen, ihre Schwester wurde hier hingerichtet.

Geboren 1913, gestorben 1973

Stefania Przybył
Stefania Przybył, Fotografie aus dem Buch mit den Briefen von Krystyna Wituska, Zeit, die mir noch bleibt. Briefe aus der Todeszelle. Aus dem Polnischen von Karin Wolff. Aufbau Taschenbuch Verlag, Berlin 1995, ISBN 3-7466-1151-2.

Zwei Schwestern

Am 13. Oktober 1943 fanden nach einjährigen Ermittlungen zwei getrennte Prozesse gegen die Schwestern Przybył und Maćkowiak vor dem Reichsvolksgerichtshof in Berlin statt: Helena Maćkowiak geb. Przybył, geboren am 12. Juli 1902 in Berlin, und Stefania Przybył, geboren am 26. Dezember 1913 in Czajków in Großpolen (Wielkopolska). Beide wurden als Reichsbürgerinnen vor Gericht gestellt und wegen Kriegsspionage zum Tode verurteilt. Das Urteil sollte durch Enthauptung mit der Guillotine vollstreckt werden.

Die Verhandlung gegen Helena dauerte etwa 8 Minuten, gegen Stefania nicht viel länger. Während der Urteilsverkündung fiel Helena in Ohnmacht und musste aus dem Raum getragen werden. Die Richter gaben nur dem Antrag von Stefania statt, dass die Schwestern die letzten 24 Stunden vor der Hinrichtung in einer Zelle verbringen durften.

Sie waren die Töchter der polnischen Emigranten Maria und Andrzej Przybył, die sich vor dem Ersten Weltkrieg in Berlin niedergelassen hatten. Beide Schwestern wurden polnisch patriotisch erzogen. Helena, die Älteste von fünf Geschwistern, hatte ein besonders enges Verhältnis zu Stefania. Nach dem Tod des Vaters war es Helena, die sich um ihre kleine Schwester kümmerte. Von Beruf Schneidermeisterin, führte sie vor dem Krieg einen bekannten Modesalon. Beide waren Mitglieder des Turnvereins (Towarzystwo Gimnastyczne) "Sokół" und der Pfadfinder, später auch des Vereins der Polen in Deutschland (Związek Polaków w Niemczech).

Während des Zweiten Weltkriegs engagierten sie sich im Untergrund. Stefania arbeitete als Zensorin in der Berliner Reichsbriefprüfstelle und fing Korrespondenz ab, die die Adressaten bedrohte. Sowohl sie als auch Helena begannen ihre Zusammenarbeit in der Abteilung "West" der Offensivabteilung "Stragan" in der Berliner Gruppe von Jadwiga Neumann. Weitere Mitglieder dieser Gruppe waren: Marianna Gąszczak, Marian Forembski und Edmund Nawrocki.*

Flucht aus dem Gefängnis Moabit

Die Schwestern wurden im November 1942 verhaftet und in verschiedene Gefängnisse gebracht: in Hamburg (Fuhlsbüttel) und Berlin (Aleksanderplatz und Alt-Moabit), wo sie vor Gericht gestellt wurden. Während sie auf den Prozess wartete, fasste Stefania den Entschluss zu fliehen. Die Idee schien verrückt zu sein. Sie nutzte die Tatsache, dass sie zum Nähen eingesetzt wurden, und versteckte die Stoffstreifen, die sie zur Herstellung von Seilen verwendete.

Ihre Kolleginnen aus dem Gefängnis erzählten später, dass Stefanie seit langem ihre Flucht plante. Sie nahm so viel ab, dass sie sich zwischen die Gitterstäbe quetschen konnte, in einen Schlitz von 14-16 cm. Als Stefania in ihrem letzten Wort das Gericht bat, die letzten Stunden mit ihrer Schwester verbringen zu dürfen, plante sie, dass sie gemeinsam fliehen werden.

Kassiber von Krystyna Wituska über die Flucht von Stefania
Kassiber von Krystyna Wituska über die Flucht von Stefania

Es war die Nacht von 14. zum 15. Oktober 1943.

Helena, die anders gebaut war, konnte sich jedoch nicht durch die Gitterstäbe zwängen. Stefania, die schon auf der anderen Seite der Gittern stand, wollte zurück in die Zelle, die Schwester überzeugte sie, alleine zu fliehen, damit sie sich um ihrer beiden Mutter kümmern sollte. Sie fluchtete sich während eines Luftalarms. An einem Seil gelangte Stefania von ihrer Zelle im zweiten Stock in den Gefängnishof. Dort mischte sie sich unter die Leute, die aus dem Luftschutzkeller rauskammen. Sie versteckte sich und wartete bis 5 Uhr früh, um die Mauer zu überwinden und in das Gerichtsgebäude einzutreten. Sie überzeugte die Putzfrau, die sie traf, dass sie eine neue Mitarbeiterin sei und ihre Putzfrau Schürze braucht. Als eine Mitarbeiterin der Putzkolonne ging sie auf die Straße hinaus und stieg in einen Bus ein.

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"Ein prima Mädchen", schrieb in einem ihrer Kassiber Krystyna Wituska. "Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie ich sei beneide".

Die Flucht machte die Deutschen regelrecht fassungslos.**

Als Vergeltung für Stefanias Flucht verhafteten die Deutschen ihre Mutter und ihre Schwester Wanda. Nach ein paar Monaten wurden sie jedoch freigelassen. Nach der Flucht wurden den weiblichen Gefangenen in Moabit die Hände für die Nacht gefesselt. Über weitere Ausbrüche aus diesem Gefängnis ist nichts bekannt.

Helena Maćkowiak wurde am 2. November 1943 mit der Guillotine hingerichtet. Die Gefängnisleitung hat sie belogen und behauptete, Stefania sei gefangen genommen worden.

Nach dem Krieg

Stefania lebte zuerst in einem Versteck in Berlin, dann ging sie nach Konitz (Chojnice) und Bromberg (Bydgoszcz). Eine von den Personen, die ihr in Konitz einen Versteck zur Verfügung gestellt haben war Anna Styś (geb. Rudnik, 1908-2022, die im Moment ihres Todes zweitalteste Person war, die in Polen lebten - 111 Jahre) .

Nach dem Kriege heiratete Stefania das zweite Mal und trug den Namen Jung-Mochnacki. Meistens ist sie in den Dokumenten so genannt. Stefania Jung-Mochnacki. Sie lebte in Krakau, wohnte auf der Straße Daszyńskiego 15-22, arbeitete als Schneiderin. Sie starb am 24. Juli 1973 und liegt auf dem Rakowicki-Friedhof begraben.

Literatur & Links

* Dorota Grzechocińska  13.10.2022 Ucieczka z Moabitu

Jan Boenigk, Wyroki, Warszawa 1970, Ludowa Spółdzielnia Wydawnicza

** Paweł Maria Lisiewicz, Bezimienni (z dziejów wywiadu Armii Krajowej), 1987

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