Pelagia Trocha (DE)

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Projekt: "Frauen im Schatten der Guillotine. Polinnen im Gefängnis Plötzensee"

Beschreibung des Projekts

Beschreibung des Workshops


Autorin: Julia Sowińska

Das Leben & der Tod

Pelagia Trocha, geb. am 14. November 1874 in Großpolen (Preußisch-Polen), hingerichtet am 10. April 1942 in Plötzensee.

Pelagia Trocha, Bild: Anna Krenz, Februar 2024
Pelagia Trocha, Bild: Anna Krenz, Februar 2024

Pelagia Trocha wird am 14. November 1874 in Oborniki geboren. Sie ist eine Polin, eine verwitwete Frau. Hingerichtet wird sie am 10. April 1942, weil sie die Grundbedürfnisse von geflüchteten Kriegssoldaten deckt – Wasser, Brot und Kleidung reichen aus, um ihr Todesurteil zu sichern.

Über ihr Leben ist nicht viel bekannt, über ihre einzige Strafe jedoch dafür umso mehr. Der Sachverhalt wird nüchtern und so korrekt wie möglich festgehalten. Das sachliche Auslöschen eines Lebens, wessen einziges Verbrechen ihre Menschlichkeit ist.

Am 28. Februar 1941 gegen 17 Uhr fliehen die britischen Kriegssoldaten Blayney und Grant aus dem Gefangenenlager in Thorn (Toruń). Laut Anklage des „Volksgerichtshofs” gegen Pelagia Trocha u.a. vom 24. Oktober 1941 war Ziel der Beiden über Russland nach England zu fliehen, um erneut „gegen das Deutsche Reich zu kämpfen“.

Schließlich erreichen sie am Abend des 1. März ein Haus in Glinki, welches von Trocha und dem Ehepaar Nowacki bewohnt wird. Nach längerem Zeitraum, in welchem sie das Haus beobachten, stellen sie fest, dass dieses von Pol*innen bewohnt sein muss und trauen sich nach Brot zu fragen, nachdem Joanna Nowacka das in einem Gespräch bestätigt. Da diese jedoch kaum deutsch spricht, ruft sie Pelagia Trocha dazu. Diese erkennt, dass es sich bei den beiden Männern um britische Kriegsgefangene handelt, da das besagte Lager in der Nähe ihres Wohnortes liegt und sie sich daher mehrmals das Aussehen von solchen Gefangenen einprägen konnte. Daraufhin lädt sie beide zu sich ins Haus ein und bietet ihnen Brot und Kaffee an. Von Frau Nowacka wird sie gewarnt, dass es verboten sei, britische Kriegsgefangene aufzunehmen. Sie entscheidet sich dennoch ihnen diese Hilfe zu gewähren.

Stückchen Brot, Bild von Anna Krenz, Januar 2024
Stückchen Brot, Bild von Anna Krenz, Januar 2024

Kurze Zeit später betritt Aleksander Nowacki die Wohnung – nach Aufklärung seiner Frau über die Geflüchteten wird in einem Gespräch klar, was ihr Plan ist. Da ihre britischen Uniformen sie bei diesem Vorhaben jedoch verraten würden, bitten sie um Zivilkleidung. Pelagia gibt ihnen die letzte Kleidung ihres verstorbenen Mannes. Da diese nur einem von beiden Männern passt, bitten sie Nowacki um weitere Kleidungsstücke, welche ihnen nach Zureden von Trocha überlassen werden. Währenddessen machte Frau Nowacka beiden zwei Butterbrote, die Reserveverpflegung. Sie bedankten sich mit einem goldenen Siegelring, Seife, deren Uniformblusen und einem Soldatenmantel.

Danach baten sie um die Anschrift der Helfer, um ihnen aus England eine Nachricht zukommen zu lassen, sobald sie ihre Flucht erfolgreich überstanden haben. Nachdem Pelagia Trocha zu ihrer Wohnung zurückkehrte, übernachteten die Männer bei der Familie Nowacki und verließen gegen 6 Uhr das Haus.

Auf ihrem weiteren Weg helfen ihnen noch weitere mutige Pol*innen namens Teresa Zuchowska, Jan Litwicki und weitere Zivilist*innen, welche (glücklicherweise) nicht von den Nazis ermittelt werden können. Über deutsche Güterzüge, welche größtenteils von polnischen Eisenbahner*innen bedient werden, gelingen sie bis an die ehemalige deutsch-russische Grenze, bevor sie nach ungefähr 14 Tagen festgenommen wurden – und somit die Anklage und das Todesurteil für die Beteiligten sicherten. Die verraten nämlich all ihre Helfer, deren Namen sie kanten.

Im Gnadengesuch bat Pelagia Trocha, dass man auf die Todesstrafe verzichtet und sie stattdessen in eine Zuchthausstrafe umwandelt. Als Gründe nennt sie nicht nur ihr hohes Alter von 67 Jahren, aber auch, dass sie nicht gewusst hätte, dass ihr Vorgehen als Landesverrat zählt. Sie hat aus Mitleid gehandelt und wollte Menschen in Not helfen. Zudem versucht sie verzweifelt darauf aufmerksam zu machen, dass ihr Sohn ein deutscher Soldat ist und ihre Tochter als Gefängnisbeamte 6 deutsche Gefangene gerettet habe. Leider bleibt der Versuch erfolglos.

Pelagia Trocha wurde am 31. Juli 1941 verhaftet, am 14. Januar 1942 zu Tode verurteilt und am 10. April 1942 hingerichtet. Ihre Menschlichkeit sorgte für ihre Enthauptung.

Förderung

Beitrag gefertigt während des Workshops "Frauen im Schatten der Guillotine. Polinnen im Gefängnis Plötzensee" am 24.02.2024

Das Projekt ist gefördert von der Stiftung EVZ (Erinnerung Verantwortung Zukunft).

www.stiftung-evz.de

Diese Veröffentlichung stellt keine Meinungsäußerung der Stiftung EVZ dar. Für inhaltliche Aussagen trägt Polkopedia die Verantwortung.