Monika Dymska (DE)

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Projekt "Frauen im Schatten der Guillotine. Polinnen im Gefängnis Plötzensee"

Beschreibung des Projekts

Beschreibung des Workshops

Monika Dymska
Monika Dymska

Autorin: Monika Wrzosek-Müller

Persönliches

Monika Dymska, Pseudonym: “Nika”

Von dem Foto schaut mich eine junge ernste Frau an, sie ähnelt der schwedischen Prinzessin Victoria; hat dunkle Haare, die sie nach hinten gebunden trägt. Dunkle Augen schauen mich sehr eindringlich an, sie ist eindeutig hübsch. Es gibt Fotos am Strand von Jastarnia (einem Badeort auf der Halbinsel Hela/Hel), auf denen sie stark gebräunt, langbeinig am Strand mit ihren Geschwistern im Sand spielt. Man sieht ihr an, dass sie voll im Leben steht und die Jugend genießt.

Das Leben im Krieg

Geboren am 28. Juni 1918 Neuberg (Nowa Góra), Kreis Graudenz (Grudziądz) - hingerichtet am 25. Juni 1943 in Plötzensee.

Monika Dymska wird am 28. Juni 1918 Neuberg (Nowa Góra), Kreis Graudenz (Grudziądz) geboren. Irgendwo wird berichtet, dass ihre Familie, die Eltern, aus Deutschland nach Polen zurückgekehrt sind. Dadurch erklärt sich, dass sie schnell Deutsch sprechen lernt. Später lebt die Familie in Thorn (Toruń). Monika ist Pfadfinderin, Lehrerin und Führerin im Przysposobienie Wojskowe Kobiet (PWK – weibliche Hilfsformation der polnischen Armee).

Nach dem deutschen Überfall auf Polen 1939 wird sie als Ausbilderin zur PWK einberufen. Sie arbeitet als Krankenschwester in einem Feldlazarett und kehrt im Oktober nach Thorn zurück.

Sie ist Mitbegründerin der patriotischen Jugendorganisation Bataliony Śmierci za Wolność (Todesbataillone für die Freiheit). Sie gibt eine Untergrundzeitung heraus und verteilt Flugblätter gegen die Nationalsozialisten. Schon seit Herbst 1939 arbeitet Dymska für verschiedene polnische Geheimorganisationen und beschafft nachrichtendienstliche Materialien, z.B. Pläne von Munitionsdepots in ganz Pommerellen.

Die Verhaftung und der Tod

Anna Krenz: Bildnis von Monika Dymska
Anna Krenz: Bildnis von Monika Dymska gemalt während des Polkopedia-Workshops am 2. Dezember 2023

Sie führt außerdem Aufträge der Untergrundorganisation “Stragan”, der Aufklärungseinheit der polnischen Heimatarmee (Armia Krajowa – AK), aus. Nach deren Enttarnung werden am 22. und 23. August 1942 Monika Dymska, ihre Eltern und ihre Geschwister verhaftet. Dymskas Geschwister werden freigelassen, ihre Eltern in Konzentrationslager verschleppt. Der Vater wird in Bergen-Belsen erhängt, die Mutter überlebt das Frauenkonzentrationslager Ravensbrück und wird vom Roten Kreuz nach Schweden geschickt. Die Mutter, Geburtsname Skłodowska, ist dann zu den Kindern nach Thorn zurückgekehrt. Interessant ist die Information, dass Monika ihrem Cousin Jan Skłodowski offensichtlich den Kontakt den Untergrundorganisationen vermittelt hat; er ist Pilot bei der deutschen Luftwaffe. 1942 übermittelt er die Nachricht, dass er „verbrannt“ sei, danach verschwindet er gänzlich.

Monika Dymska wird am 18. März 1943 (in anderen Erinnerungen am 27. März) vom Reichskriegsgericht wegen „Spionage, Feindbegünstigung und Vorbereitung zum Hochverrat” zum Tode verurteilt. Ihr Leidensweg in Berlin führt über das Untersuchungsgefängnis in Moabit, wo sie verhört wird und drei Monate in Einzelzelle sitzt, aber niemanden verrät. Die Gerichtsverhandlung findet am 12. März 1943 statt. Nach der Verkündung des Todesurteils wird sie in das Strafgefängnis Berlin-Plötzensee verlegt und trifft in der Todeszelle auf andere Verurteilte: Maria Szymichowska, Olga Jędrkiewicz, Wanda Węgierska und Krystyna Wituska. Sie wird zusammen mit Wanda Węgierska am 25. Juni 1943 in Plötzensee hingerichtet (mit dem Fallbeil).

Die Erinnerung

Sterbeurkunde von Monika Dymska, im Archiv Arolsen https://arolsen-archives.org/en/
Sterbeurkunde von Monika Dymska, im Archiv  Arolsen https://arolsen-archives.org/en/

Aus den Erinnerungen von Menschen, die sie kannten, erschließt sich ein etwas breiteres Bild der Person: sie besuchte das Mädchengymnasium in Thorn, wo sie nicht zu den reichsten Mädchen gehört haben soll, doch eine gute Schülerin war, so dass sie Leiterin der Pfadfindereinheit wurde. Nach dem Abitur studiert sie an der Pädagogischen Hochschule in Thorn die Fächer Mathematik und Physik, die sie als Lehrerin abschließt. Gleich nach dem Studium unterrichtet sie polnische Soldaten im Schreiben und Lesen. Ihre Arbeit als Lehrerin kann sie nicht weiter fortsetzen.

Nach dem deutschen Überfall auf Polen vom September 1939 wird sie als Putzfrau in den Kasernen der Wehrmacht in Thorn beschäftigt und schmuggelt Informationen an den polnischen Widerstand. Nach bestandener Deutschprüfung wird sie im Büro der “Mona-Werken”, einer Munitionsfabrik, angestellt. Irgendwann gerät sie in Verdacht und wird selbst verhaftet und verhört, verrät aber niemanden. Erst am 23.08.1942 (die Daten der einzelnen Etappen decken sich nicht in allen Informationen) wird sie nach Berlin gebracht.

Überall wird sie als sehr mutige, lebensbejahende und positive Person beschrieben. In der Zelle in Plötzensee soll sie gesungen und den anderen geholfen haben, ihre letzten Tage und Stunden würdevoll zu verbringen.

Ihre Sterbeurkunde, ausgestellt von einem Standesbeamten in Charlottenburg, gibt an, dass sie in Charlottenburg, Königsdamm 7 (die damalige Adresse der Hinrichtungsstätte des Strafgefängnisses Plötzensee) gestorben sei. Erst ganz unten steht, dass sie hingerichtet wurde.

Zur Information

Plötzensee, ein kleiner See an der Grenze der Bezirke Charlottenburg und Wedding mit einem Badestrand, unweit ein Friedhof und die Gedenkstätte Plötzensee: „Den Opfern der Hitlerdiktatur der Jahre 1939-1945“.

Wo sie begraben ist, oder wo ihre sterblichen Überreste geblieben sind, kann man aus den Dokumenten nicht herauslesen.

In Thorn befindet sich auf dem Friedhof an der Grudziądzstraße ein symbolisches Grab für sie, vor kurzem wurde an dem Wohnhaus „Pod krzywą Wieżą“ eine Tafel zur Erinnerung an Monika Dymska enthüllt.

Links

https://www.instagram.com/p/C0w1lh9IRXy/

https://www.facebook.com/reel/328917793372320

Förderung

Beitrag gefertigt im Rahmen vom Workshop "Frauen im Schatten der Guillotine. Polinnen im Gefängnis Plötzensee" am 2.12.2023

Das Projekt ist gefördert von der Stiftung EVZ (Erinnerung Verantwortung Zukunft)

www.stiftung-evz.de

Diese Veröffentlichung stellt keine Meinungsäußerung der Stiftung EVZ dar. Für inhaltliche Aussagen trägt Polkopedia die Verantwortung.