Wiesława Jezierska (DE)
Wiesława Jezierska, geboren am 13. Oktober 1912 in Dźwiniacz Dolny in der Region Podkarpackie, ermordet am 09. März 1943 in Berlin-Plötzensee
Projekt "Frauen im Schatten der Guillotine. Polinnen im Gefängnis Plötzensee"[edytuj | edytuj kod]
Autor: Norbert Kollenda
Das Leben und der Tod
Wiesława Jezierska wurde am 13. Oktober 1912 in Dźwiniacz Dolny in der Region Podkarpackie (Karpatenvorland) geboren. Sie wurde zusammen mit Olga Prokop, die schwanger war, bei der Operation „Dorsze“ an der bulgarisch-serbischen Grenze verhaftet. Sie waren dabei, zwei britische Piloten über die Grenze zu lotsen. Die beiden Briten konnten die Grenze passieren und die Frauen wurden verhaftet und in ein Wiener Gefängnis überführt. Dort blieben sie bis Olga entbunden hatte. Dann wurden sie nach Berlin gebracht und wegen „Feindbegünstigung” zum Tode verurteilt. Beide erhielten ein grausames Todesurteil durch die Guillotine, das am 9. März 1943 vollstreckt wurde. Sie gehörten nicht zu der SOE, einer Spezialeinsatztruppe des britischen Nachrichtendienstes für Spezialeinsätze während des Zweiten Weltkrieges. Vielmehr haben sie, wie viele andere Frauen, in der polnischen Heimatarmee gedient. Diese Frauen haben in Verbindung mit der britischen “Escape and Evasion Section“ geflüchtete britische Kriegsgefangene versteckt und über die Grenze gebracht.
Wiesława Jezierska wurde am 09. März 1943 in Plötzensee mit dem Fallbeil ermordet. Der Familie teilten die Schergen mit, dass sie am Herzschlag verstorben sei. Einige Wochen später erhielt Wieśkas (Wiesławas) Schwester, Stefa Jezierska, ein Paket aus dem Berliner Gefängnis, in dem Habseligkeiten ihrer ermordeten Schwester enthalten waren: ein Militärmantel und Kleider einer Krankenschwester. „Wir sahen uns die Sachen sorgfältig an. Im Saum des Kleides war eine geheime Botschaft eingenäht, die wir lange Zeit suchten, bis es uns gelang, die Nachricht aus dem dünnen Seidenpapier zu lesen, die sie so uns über Wieśkas Schicksal vermittelte. In dieser geheimen Nachricht beschrieb Wieśka detailliert die letzten Momente aus Jaśkas Leben. Sie verabschiedete sich von ihrer Schwester, ihren Freunden und vom Kommandanten Spasiński, denn sie wusste, dass die Stunden ihres Lebens gezählt waren.“
Die Frauen, die sich im Wiener Gefängnis kennenlernten, haben sich gegenseitig versprochen, den Freunden vom Schicksal ihrer mutigen Verwandten, die sich dem Faschismus und der Okkupation durch die Nazis entgegenstellten, zu berichten. Über diese mutigen Frauen ist allgemein leider wenig zu erfahren, eher wird von Männern berichtet. Dank Polkopedia wird jetzt der Mut dieser Heldinnen in Erinnerung gerufen.
Persönliches
Bei Lesen der Notizen, die Wiesława Jezierska hinterlassen hat, hat mich eines besonders berührt. Es geht um den Sohn von Jaśka, der im gleichen Jahr wie ich geboren wurde. Seine Mutter hatte es nicht geschafft über die Grenze zu kommen, als die Wehrmacht Jugoslawien überfiel. Sie wurde im KZ gefoltert, um aus ihr Informationen herauszupressen und wurde durch viele unmenschliche Folterkammern der Gestapo geschleift. Am Ende wurde sie in ein Wiener Gefängnis überführt, weil sie schwanger war. Dort lernte sie auch Wieśka und Olga kennen. Was mag in Jaśka vorgegangen sein? Da wächst ein neues Leben heran und sobald es geboren ist, geht ihr Leben zu Ende - wird sie ermordet. Auch die Frage, was wird aus diesem meinem Kind!? „Kurz nachdem dieser wunderschöne blonde Junge geboren war, nahm ihn die Gestapo der Mutter weg und sie weiß, dass nur auf seine Geburt gewartet wurde, um sie zu ermorden.“ Seine Mutter Jaśka wurde am 23. Juni 1941 in Wien an die Wand gestellt und erschossen. Der Junge wurde in ein Heim gegeben, um auf eine Weise erzogen zu werden, die sie wohl für deutsch hielten mit all ihrer verbrecherischen Ideologie. Es erstaunt mich schon, dass ein Kinder einer „minderwertigen Rasse“ – wie die Nazi – Ideologen es sehen – zum „Deutschtum“ erzogen werden sollte... nun ja er war blond. Ob es die Erbanlagen seiner heldenhaften Mutter geschafft haben, letztlich aus ihm einen aufrechten, mutigen und engagierten Mann zu machen? Auch die Gedächtnisforschung lässt einen vermuten, dass da auch gewisse andere Ansätze vorhanden sein können. Wir wissen es nicht und werden es leider auch nie erfahren. Seine Mutter konnte ihm wohl nicht einmal ihre Wärme und Liebe vermitteln. Aber bei ihrem Tode haben ihn sicherlich all ihre guten Wünsche begleitet.
Seine Verwandten verloren nicht nur eine Schwester und Tante, sondern auch noch einen ihnen unbekannten Neffen.
Links
Ein Verein beschäftigt sich mit deren Schicksal; http://www.geraubte.de/verein.html
Förderung[edytuj | edytuj kod]
Beitrag gefertigt vor, während und nach dem Workshop "Frauen im Schatten der Guillotine. Polinnen im Gefängnis Plötzensee" am 20.01.2024
Das Projekt ist gefördert von der Stiftung EVZ (Erinnerung Verantwortung Zukunft).
Diese Veröffentlichung stellt keine Meinungsäußerung der Stiftung EVZ dar. Für inhaltliche Aussagen tragen die Projektleiterinnen die Verantwortung.