Pelagia Dobrzykowska (DE)

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Projekt "Frauen im Schatten der Guillotine. Polinnen im Gefängnis Plötzensee"

Beschreibung des Projekts

Beschreibung des Workshops


Autorin: Marzena Zajączkowska

Einführung

Einen Tag nach Beginn des Zweiten Weltkriegs und dem Einmarsch der deutschen Truppen in Polen fand in der Nähe von Łagiewniki (Großpolen) ein Luftgefächt statt, dessen Folgen die örtliche Bevölkerung zu spüren bekam, aus der viele Frauen und Männer mit ihrem Leben bezahlten. Eine dieser Personen war die 29-jährige Pelagia Dobrzykowska. alt=Pelagia Dobrzykowska|mały|Pelagia Dobrzykowska, Bild von Anna Krenz 2024

Wer war Pelagia?

Verhaftet 1940 zusammen mit Bronisław Łuczak, Marta Buszka, Józefa Ratajczak, Jan Lipiński, Jan Maciejewski, Władysław Cichoszewski und Józef Wróblewski. Zum Tode verurteilt durch Urteil des NS-Sondergerichts in Poznań.

Wahrscheinlich wurde sie als "lebendes Exemplar des Feindes" ausgestellt, als Untermensch auf "Schauen" für die Misshandlung von deutschen Fliegern. Ihre besonderen Merkmale, wie ihre Größe von etwa 190 cm und ihr kräftiger Körperbau, trugen möglicherweise dazu bei.

Leben alt=Luftgefecht über Łagiewniki, Bild von Anna Krenz, Februar 2024|mały|Luftgefecht über Łagiewniki, Bild von Anna Krenz, Februar 2024 Pelagia Dobrzykowska wurde am 23. Oktober 1911 in Maniewo (bei Poznań) als Tochter des Landarbeiters Władysław Jerzewski und Wiktoria (geb. Łech) geboren. Sie verlor sehr früh (8. Mai 1915) ihren Vater. Nach seinem Tod zogen Pelagia und ihre Mutter zu ihren Großeltern in das Dorf Górki. 1924 zogen sie nach Złotów, um bei ihrem Stiefvater Jan Górny zu leben. Zu dieser Zeit beendete Pelagia die Schule und begann in Poznań Stickerei zu lernen. Im Alter von 18 Jahren verlor sie ihren Stiefvater (13. April 1929), der bei einem Arbeitsunfall bei der Eisenbahn verunglückte. In dieser Zeit half sie ihrer Mutter bei der Feldarbeit und übernahm verschiedene Stickereiaufträge. Am 13. April 1936 heiratete sie Leon Dobrzykowski aus Łagiewniki und brachte 1937 einen Sohn Henryk zur Welt. Kurze Zeit später starb ihr Mann Leon an einer Darmtorsion. Pelagia wurde 1940 verhaftet und ließ ihren Sohn in der Obhut ihrer Mutter zurück.

In ihrem kurzen Leben verlor sie drei Männer, die ihr nahe standen: Ihr Vater, Władysław Jerzewski, der zur preußischen Armee eingezogen wurde, fiel im Ersten Weltkrieg (8.5.1915); ihr Stiefvater Jan Górny starb an den Folgen eines Arbeitsunfalls bei der Eisenbahn, als Pelagia das Erwachsenenalter erreichte (13. April 1929); ihr Ehemann Leon Dobrzykowski starb an einer Darmverschlingung (Darmtorsion), kurz nachdem er Vater geworden war. alt=Pelagia Dobrzykowska|mały|Pelagia Dobrzykowska, Foto und letzter Brief aus dem Archiv der Gedenkstätte Plötzensee, Landesarchiv Berlin, ARep369, kein öffentlicher Zugang Das Flugzeug und zwei Versionen der Ereignisse

Am 2. September 1939 wurden Pelagia Dobrzykowska sowie die Bewohner der Dörfer Łagiewniki (Gebiet Biedrusko, nicht mehr existent), Morasko, Suchy Las, Glinno und Glinienko, die auf den umliegenden Feldern arbeiteten, Zeugen eines siegreichen Luftgefächts zwischen dem polnischen Piloten Włodzimierz Giedymin (der ein Flugzeug vom Typ P-11c flog) und einem deutschen Flugzeug vom Typ Heinkel He 111.

In diesem Gefecht wurden die beiden überlebenden deutschen Piloten (Prugel und Hackl) von den Polen gefangen genommen und "nach der notwendigen Unterstützung den polnischen Behörden übergeben. Die Kriegsgefangenen wurden nach Posen, dann nach Gnesen, wo sich das Hauptquartier der Posener Armee befand, und von dort nach Warschau gebracht, von wo sie zusammen mit anderen Kriegsgefangenen nach Brest am Bug transportiert wurden, um von dort aus wiederum nach dem Ende des Septemberfeldzuges in ihre Luftwaffeneinheiten zurückzukehren."

Die Deutschen hingegen behaupteten, dass „Weuner, der als letzter aus dem brennenden Flugzeug sprang, zwar sicher gelandet, aber von den Polen getötet worden sei. Darüber hinaus behaupteten sie, dass den verbliebenen Fliegern keine Hilfe erteilt wurde und dass sie sogar verfolgt wurden." Diese lügnerische Verleumdung wurde zur Grundlage für Racheakte gegen die Bewohner der umliegenden Dörfer."

Bekanntlich war dieses Ereignis für alle tragisch, die diesen Luftkampf miterlebt hatten.

Als die NS-Armee in das Gebiet einrückte, kam es zu Massenverhaftungen der polnischen Bevölkerung. Zu ihnen gehörten neben Pelagia Dobrzykowska auch Bronisław Łuczak, Marta Buszka, Józefa Ratajczak, Jan Lipiński, Jan Maciejewski, Władysław Cichoszewski und Józef Wróblewski. Die sieben Angeklagten wurden vom Gericht zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Durch ein Urteil des NS-Sondergerichts in Poznań vom Januar 1940 wurden Pelagia Dobrzykowska sowie sieben weitere Polen zum Tode verurteilt.

Die Ungerechtigkeit und Trostlosigkeit des Krieges verwischt die Spuren der Wahrheit.

Zum Glück gibt es Zeitzeugen, die den Krieg überlebt haben, wie Florian Okupniak (geb. am 2. Mai 1922 in Glinno). Okupniak hat die ganze Geschichte der Flieger aus Łagiewniki detailliert beschrieben, und es mangelt darin nicht an Erinnerungen an die Heldin Pelagia Dobrzykowska.

https://reportage91.wordpress.com/2018/10/09/historycznie-nieprzygotowany/

Abschiedsbrief

Pelagia wurde in ein Internierungslager in der Młyńska Strasse in Posen (Poznań) eingesperrt und blieb dort bis zum 10. März 1940. Einen Tag später wurde sie in das Gefängnis Plötzensee gebracht. Am 15. März wurde ihr das Urteil mitgeteilt, das am folgenden Tag - dem 16. März 1940 - vollstreckt werden sollte.

Der Inhalt ihren letzten Briefes:

Liebe Mutter,

zum letzten Mal schreibe ich Dir meinen Abschied und teile Dir mit, dass ich morgen früh um 6.00 Uhr von dieser Welt scheide. Es ist ein trauriger Moment für Dich, aber verzweifle nicht, sei in Frieden über mich.

Der polnische Priester (Rosler) war bei mir und hat mir die Beichte abgenommen, so dass ich ohne Angst aus dieser Welt scheiden werde. Es ist nur traurig für mich, dass ich in einem mir fremden Land sterbe - so weit weg von meiner Familie, nicht in meinem Heimatland.

Mein lieber Sohn, mein Kind! Zum ersten und letzten Mal schreibt dir deine liebe Mutter. Ich schreibe dir ein letztes Lebewohl. Ich erkläre dir in diesem Brief, was ich in meinem Leben durchgemacht habe. Es ist der Moment gekommen, in dem ich dich, mein liebes Kind, für immer verlassen muss. Ich habe mein Urteil am 17. Januar 1940 erhalten.

Mein lieber Sohn - mein Urteil ist die Todesstrafe. Ich war entsetzt über dieses Urteil. Man sagte mir, dass mein Leben am 16. März 1940 um 6 Uhr morgens enden würde. Ich schreibe Dir mit dem größten Frieden, mein liebes Kind. Du wirst für den Rest deines Lebens ein Waisenkind bleiben. Ich bitte dich inständig, dass du zu einem mutigen Bürger heranwächst, wie deine Mutter es war.

Ich bitte dich, liebe Mutter, erziehe mein Kind zu einem anständigen Menschen. Du liebes Kind, höre auf deine Erziehungsberechtigten.

Mein liebes Kind, dies sind die letzten Bekenntnisse und Bitten deiner Mutter, die dich so sehr geliebt hat.

Bitte bewahre diesen Brief auf, lass ihn das letzte Testament für meinen Sohn sein.

Tod

Hinrichtung durch die Guillotine im Morgengrauen am 16. März 1940 im Gefängnis Berlin Plötzensee.

Architektur des Erinnerns

Denkmal für die Opfer des Faschismus in Łagiewniki (heute Truppenübungsplatz Biedrusko) bei Poznań.

Am 12. Mai 1968 wurde an der Stelle des ehemaligen Dorfes Łagiewniki, auf dem Gelände des heutigen Truppenübungsplatzes Biedrusko, das Denkmal für die Opfer des Faschismus feierlich enthüllt.

An diesem Ort finden jedes Jahr Gedenkfeiern zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs statt. Sie würdigen die Opfer des Naziterrors, die Einwohner von Łagiewniki und der umliegenden Dörfer, die ihre patriotische Haltung mit dem Märtyrertod bezahlten.

https://pl.wikipedia.org/wiki/Plik:Pomnik_w_%C5%81agiewnikach.jpg

Links und Quellen

https://www.gedenkstaette-ploetzensee.de/totenbuch/recherche/person/dobrzykowska-pelagia

https://reportage91.wordpress.com/2018/10/09/historycznie-nieprzygotowany/

https://9lib.org/article/pojedynek-lotniczy-nad-%C5%82agiewnikami-nr.yj7ven25

https://pl.wikipedia.org/wiki/Plik:Pomnik_w_%C5%81agiewnikach.jpg

Förderung

Beitrag gefertigt vor, während und nach dem Workshop "Frauen im Schatten der Guillotine. Polinnen im Gefängnis Plötzensee" am 2.12.2023

Das Projekt ist gefördert von der Stiftung EVZ (Erinnerung Verantwortung Zukunft).

www.stiftung-evz.de

Diese Veröffentlichung stellt keine Meinungsäußerung der Stiftung EVZ dar. Für inhaltliche Aussagen tragen die Projektleiterinnen die Verantwortung.