Anna Maria Warszawska (DE)

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Marie Anna Warszawski, geb. am 18. August 1907 in Krone-Abbau/Bromberg (Koronowo/Bydgoszcz), hingerichtet am 1. April 1943 in Plötzensee

Autorin: Katharina Anetzberger

Projekt: "Frauen im Schatten der Guillotine. Polinnen im Gefängnis Plötzensee"

Beschreibung des Projekts

Beschreibung des Workshops

Das Leben, der Tod, ein Stückchen Brot

Marie Anna Warszawski

Nur 35 Jahre durfte Marie Anna Warszawski alt werden. Sie wurde von den Nazis ermordet, weil sie zwei Hungernden Milchsuppe und Brot zu essen gab – und damit ihre „Deutschfeindlichkeit“ bewies.

Marie Anna und ihre Brüder Josef und Boleslaus hatten zwei aus einem Arbeitslager geflohenen sowjetischen Soldaten Unterschlupf und Essen gegeben. Sie wurden von der deutschen Polizei entdeckt und für ihr „Verbrechen“ zum Tode verurteilt. Alle drei wurden am 1. April 1943 in Berlin-Plötzensee hingerichtet.

Ein Theaterstück

Schauplatz:

Krone-Abbau/Bromberg (Koronowo/Bydgoszcz), besetztes Polen

Auftretende Personen:

Marie Anna Warszawski (Maria Anna Warszawska) – Landarbeiterin, Schwester, Tochter, Angeklagte, Polin, Feindin der Deutschen, barmherzige Helferin und ausgezeichnete Köchin, zum Tode Verurteilte

Boleslaus Warszawski (Bolesław Warszawski) – Landarbeiter, Bruder, Sohn, Angeklagter, Pole, Feind der Deutschen, ausgezeichneter Lügner (wenn es wichtig ist) und loyaler Gastgeber, zum Tode Verurteilter

Josef Warszawski (Józef Warszawski) – Landwirt, Bruder, Sohn, Angeklagter, Feind der Deutschen, exzellenter Zigarettendreher und Feuerschutzbeauftragter, zum Tode Verurteilter

Marie Warszawski (Maria Warszawska) – Landwirtin im Ruhestand, Mutter in Sorge, das Mädchen Jasiak, Langschläferin, Mutter dreier toter Kinder

Wladislaus Warszawski (Władysław Warszawski) – Landwirt im Ruhestand, Ehemann, kranker Vater dreier toter Kinder

Anna Jasiak – Schwester einer Freigesprochenen und Tante dreier Toten

Hauschke – Meister der Schutzpolizei, Zeuge, pflichtbewusster Deutscher

Czylwik – Kriminaloberassistent, Zeuge, beflissener Diensthabender

Pawel Asarow und Alexander Schilow – sowjetische Kriegsgefangene auf der Flucht

16. Juni 1942:

Auf dem Hof der Familie Warszawski geht es geschäftig zu, wie es um diese Jahreszeit üblich ist. Die Mutter, Marie, bricht frühmorgens in die nahegelegene Stadt auf, um die Medizin für den Vater zu besorgen. Er wurde verwundet, als die Nazis Polen überfielen und ist seither nicht mehr der Alte.

Es sieht nach Regen aus, weshalb Josef und sein Bruder Boleslaus schnell noch das restliche Heu heimfahren wollen. Ihre Schwester Marie Anna kümmert sich in der Zwischenzeit um den kranken Vater, der in seiner Stube im Bett liegt. Plötzlich sehen sie durch das Fenster, wie Josef und zwei andere, fremde Männer eilig über den Hof auf das Haus zulaufen. Marie Anna tritt rasch vor die Tür.

Marie Anna: Was ist los? Ist etwas passiert?

Josef: Erkläre ich dir gleich. Lass uns nur erst schnell nach drinnen gehen. Am besten in die Küche, wir wollen Vater nicht belästigen. Er ist doch in seiner Stube?

Marie Anna nickt. Sie gehen alle in die Küche.

Josef: Du hast doch sicher von den sowjetischen Kriegsgefangenen gehört, die vor ein paar Tagen entkommen sind? Nun, hier sind sie. Das sind Pawel und Alexander. Schwester, sei so gut, deck den Tisch für sie mit.

Marie Anna: Ich habe gerade die Milchsuppe auf den Herd gestellt und Tante Anna hat gestern Brot gebacken. Niemand bäckt besseres Brot als sie, ihr werdet gleich sehen!

Sie tritt an den Herd und gießt etwas Wasser in die Milchsuppe, damit sie für alle reicht. Während sie das Brot schneidet, legt sie die Scheiben, die am wenigsten harte Körnerschalen haben, für die Gäste zur Seite.

Boleslaus tritt in die Küche.

Boleslaus: Oh, wir haben Gäste?

Josef: Ich darf dir Pawel und Alexander vorstellen. Sie sind aus dem Arbeitslager geflohen.

Boleslaus: Es freut mich, euch kennenzulernen.

Die Geschwister, Pawel und Alexander sitzen um den Tisch.

Josef: Ist Mutter schon zuhause?

Marie Anna: Ja, sie ist schon nach oben gegangen zu Vater und Tante Anna. Sie fühlt sich nicht so wohl nach dem langen Marsch in die Stadt und vom Regen ist sie völlig durchnässt. Ich habe ihnen Suppe nach oben gebracht.

An Pawel und Alexander gerichtet: Ist wahrscheinlich auch besser, wenn sie euch nicht sieht. Nichts gegen euch, aber je weniger Menschen Bescheid wissen, umso besser.

Nach dem Essen bringt Boleslaus Pawel und Alexander zur Scheune, wo sie übernachten können. Auf dem Weg dorthin treffen sie Josef, der gerade nach den Kühen gesehen hat und sich nun auf dem Hof eine Zigarette dreht.

Josef: Bestimmt habt ihr lange keinen Tabak mehr gesehen. Hier, nehmt euch von meinem.

Er will weitergehen, dreht sich aber noch einmal um und ruft: Aber raucht mir ja nicht in der Scheune! Sonst zündet ihr euren eigenen Scheiterhaufen an. So ein Feuer wäre bis in die Stadt zu sehen und würde sicher die Polizei auf den Plan rufen.

17. Juni 1942:

Marie Anna steht in der Küche und bereitet das Frühstück zu. Sie war bereits im Stall, um die Kühe zu melken. Es duftet nach Kaffee; in der Kanne, die sie auf den Tisch stellt, schwappt frische, dicke Milch.

Es klopft zaghaft an der Tür und Pawel steckt seinen Kopf herein. Hinter ihm steht Alexander.

Marie Anna: Kommt herein, setzt euch!

Förderung[edytuj | edytuj kod]

Beitrag gefertigt während des Workshops "Frauen im Schatten der Guillotine. Polinnen im Gefängnis Plötzensee" am 24.02.2024

Das Projekt ist gefördert von der Stiftung EVZ (Erinnerung Verantwortung Zukunft).

www.stiftung-evz.de

Diese Veröffentlichung stellt keine Meinungsäußerung der Stiftung EVZ dar. Für inhaltliche Aussagen tragen die Projektleiterinnen die Verantwortung.