Maria Wieczorek (DE): Różnice pomiędzy wersjami

Z Polkopedia
Przejdź do nawigacjiPrzejdź do wyszukiwania
(Dodałam Ilustracje)
(Dodano tekst)
Linia 1: Linia 1:
[[Plik:Mariawieczorek.jpg|alt=Maria Wieczorek Work in progres|mały|Maria Wieczorek Work in progres]]
'''Autorin: Johanna Rubinroth'''
'''Autorin: Johanna Rubinroth'''


== MARIA WIECZOREK WORK IN PROGRESS ==
== Das Leben und der Tod im Archiv ==
Geboren im vorletzten Jahrhundert - am 4. August 1886. 


* was von ihr übrig blieb - was wir wissen -
Eines Tages: VERHAFTUNG.   
* Sie hinterlässt:  Über 50 Seiten nichts sagendes Archiv-Material.  einen Koffer, einen BH.
* [[Plik:Mariawieczorek2.jpg|alt=Johanna Rubinroth Vorbereitung für eine Collage|mały|Johanna Rubinroth Vorbereitung für eine Collage]]Geboren im vorletzten Jahrhundert - am 4. August 1886.  Eines Tages: VERHAFTUNG.  ZUCHTHAUS. Ein Ausrufezeichen hinter dem Einzelhaft  .  Straftat: HEIMTÜCKE. Nicht näher ausgeführt  Transporte von hier nach da. Ein Transport um 5:04. Genauestens protokolliert.  Verblichene Briefe an das Ernährungsamt, wieviele Fettkarten, wie viele Brotkarten.  Transporte von da nach hier. Bis schliesslich der letzte Transport.  von wo kam sie, als sie verhaftet wurde? wohin ging sie, wo sie nie ankam?  lief sie in einen Hinterhalt? war es ein dummer Zufall, der sie sterben liess?  vielleicht war sie müde. sie ahnte nicht, dass der Krieg nur noch ein jahr dauern sollte, sie ahnte nicht
* [[Plik:MariaWieczorek01.jpg|alt=Johanna Rubinroth Vorbereitung für eine Collage Liste der Sachen, die Maria Wieczorek gehörten|mały|Johanna Rubinroth Vorbereitung für eine Collage; Liste der Sachen, die Maria Wieczorek gehörten]]Wir wissen nichts. wir wissen soviel und doch wissen wir nichts.  Am 21.8.44 - zum Tode verurteilt. TODESSTRAFE. Nicht näher ausgeführt.  Wir wissen: sie wurde guilltoniert.  Was war ihr Statement? Für wen, für was hat sie ihr Leben riskiert? Für einen Menschen? Für die Idee der Gerechtigkeit? Einfach nur, weil sie gegen das Unrecht war?  Sie füllte einen Fragebogen aus.  Ob sie besonders starke Leidenschaften hatte? Zigaretten, Glücksspiel, Sex oder Alkohol?  Was gedenken Sie nach der Entlassung zu tun?  Was sie gedenke nach der Entlassung zu tun? Unleserlich.  Das Internet: Der Entziffererer:  2 ten uen. Heimal um Lande u. Gur verichten a de u te e  Frappierend: Die Genauigkeit, mit der das Unrecht protokolliert wird.  Sie hinterliess einen Unterrock, einen BH,  eine Einkaufstasche, vielleicht ein Falls-Beutel, wie wir ihn manchmal mit uns nehmen?  ein kleiner Kamm mit Hülle.  Von ihrem verbliebenen Geld wurden die Gerichtskosten bezahlt.  Die schriftliche Mitteilung ist versehentlich noch nicht mitgesandt worden. Das Urteil ist aber nach mündlicher Angabe des Transporteurs rechtskräftig.  LEBENSLAUF des Strafgefangenen.  Um 5.04 im August war der Transport. August fünf Uhr morgens.  Nur ein Wort  Gefangenenkarte von Maria Wieczorek  Landesarchiv Berlin A Rep 369 Kartei  Von Beruf: Ehefrau  Einzelhaft!  keine Kinder  wohnte Goldschmieden bei Breslau  keine Anträge, keine Beschwerden…  früher Schneiderin  zuletzt Siedlerin  an den herrn Vorstand des Strafgefängnisses BERLIN - PLÖTZENSEE  Betreuung der zum Tode Verurteilten durch die Pfarrer.  am 22. August 1944 ist die wegen Heimtücke zum Tode verurteilte Gefangene Maria Wieczorek hier eingeliefert worden. Sie wird seelsorgerisch von Herrn Pfarrer Buchholz betreut.  Am Freitag, dem 22. September 1944 wird im Strafgefängnis Plötzensee ab 10.30 die Vollstrecktung der Todesurteile gegen (Anna Zagora) Maria Wieczorek  22.9.44 hingerichtete in der Anstalt folgende Sachen.  30. November 44  Die Regierungsrätin Dr. Pfahl schreibt.  Maria W. hat vor ihrem Tode den Wunsch geäussert, dass die Sachen an ihre Schwägerin Martha Wieczorek ausgehändigt werden. Es wird um Entscheiung gebeten, ob gegen die Aushädigung Bedenken bestehen.  Reichanwaltschaft, Berlin 7.12.44 in der Bellevuestrasse  … teile ich mit, das keine Bedenken gegen Aushändigung der hinterlassenen Sachen bestehen.  3 Euro  Meseritz - 10.8.44 - 5.04 Berlin - 9.54  Am 22.08.1944 um 10h30 wurde sie eingeliefert - U.H.Moabit.  n?  Die heute dorthin überführte ist am …  Radzionkau/Kreis Tarnowitz (Radzionkow/Tarnowskie Gory) – 22. September 1944


== FÜR DIE COLLAGE: ==
ZUCHTHAUS. Ein Ausrufezeichen hinter dem Wort Einzelhaft. 


* leeres portrait
Straftat: HEIMTÜCKE. Nicht näher ausgeführt. 
* ein stück BH


# 1 mantel
Am 21.8.44 - zum Tode verurteilt. TODESSTRAFE. Nicht näher ausgeführt.
# 1 Kleid
 
# 1 Unterrock
Verblichene Briefe an das Ernährungsamt, wieviele Fettkarten, wie viele Brotkarten. 
# 1 Hemd
 
# 1 Hose
Transporte von da nach hier. Bis schliesslich der letzte Transport. Von wo kam sie, als sie verhaftet wurde? Wohin ging sie, wo sie nie ankam? 
# 1 Unterjacke
 
# 1 Büstenhalter
Lief sie in einen Hinterhalt? War es ein dummer Zufall, der sie sterben liess? Vielleicht war sie müde. Sie ahnte nicht, dass der Krieg nur noch ein Jahr dauern sollte, sie ahnte nicht.
# 1 kleiner Koffer
 
# 1 Einkaufstasche
Wir wissen nichts. Von der Archivakte wissen wir soviel und doch wissen wir nichts.     
# 1 Stoffbeutel
 
# [[Plik:MariaWieczorek Collagevorbereitung.png|alt=Maria Wieczorek Collagevorbereitung|mały|Maria Wieczorek Collagevorbereitung]]ein kleiner Kamm mit Hülle
Wir wissen: sie wurde guilltoniert.  Was war ihr Statement? Für wen, für was hat sie ihr Leben riskiert? Für einen Menschen? Für die Idee der Gerechtigkeit? Einfach nur, weil sie gegen das Unrecht war? Sie füllte einen Fragebogen aus. 
# 4 Taschentücher
 
# 2 Schals
Ob sie besonders starke Leidenschaften hatte? Zigaretten, Glücksspiel, Sex oder Alkohol? 
# 1 Handtuch
 
# 1 heft
Was gedenken Sie nach der Entlassung zu tun?  Unleserlich. 
# 2 Handtaschen
[[Plik:MariaWieczorek01.jpg|alt=Liste der Sachen von Maria Wieczorek nach ihrem Tod.|mały|Liste der Sachen von Maria Wieczorek nach ihrem Tod. Landesarchiv Berlin, ARep369 ]]
# 1 Brieftasche
Frappierend: Die Genauigkeit, mit der das Unrecht protokolliert wird. Sie hinterliess einen Unterrock, einen BH,  eine Einkaufstasche, vielleicht ein Falls-Beutel, wie wir ihn manchmal mit uns nehmen? Ein kleiner Kamm mit Hülle
# unwichtige Papiere
 
# 1 Geldbörse
Von ihrem verbliebenen Geld wurden die Gerichtskosten bezahlt.  Die schriftliche Mitteilung ist versehentlich noch nicht mitgesandt worden. Das Urteil ist aber nach mündlicher Angabe des Transporteurs rechtskräftig.  LEBENSLAUF des Strafgefangenen.  Um 5.04 im August war der Transport. August fünf Uhr morgens.  Nur ein Wort  Gefangenenkarte von Maria Wieczorek  Landesarchiv Berlin A Rep 369 Kartei  Von Beruf: Ehefrau  Einzelhaft!  keine Kinder  wohnte Goldschmieden bei Breslau  keine Anträge, keine Beschwerden…  früher Schneiderin  zuletzt Siedlerin  an den herrn Vorstand des Strafgefängnisses BERLIN - PLÖTZENSEE  Betreuung der zum Tode Verurteilten durch die Pfarrer.  am 22. August 1944 ist die wegen Heimtücke zum Tode verurteilte Gefangene Maria Wieczorek hier eingeliefert worden. Sie wird seelsorgerisch von Herrn Pfarrer Buchholz betreut.  Am Freitag, dem 22. September 1944 wird im Strafgefängnis Plötzensee ab 10.30 die Vollstrecktung der Todesurteile gegen (Anna Zagora) Maria Wieczorek  22.9.44 hingerichtete in der Anstalt folgende Sachen.  30. November 44  Die Regierungsrätin Dr. Pfahl schreibt.  Maria W. hat vor ihrem Tode den Wunsch geäussert, dass die Sachen an ihre Schwägerin Martha Wieczorek ausgehändigt werden. Es wird um Entscheiung gebeten, ob gegen die Aushädigung Bedenken bestehen.  Reichanwaltschaft, Berlin 7.12.44 in der Bellevuestrasse  … teile ich mit, das keine Bedenken gegen Aushändigung der hinterlassenen Sachen bestehen.  3 Euro  Meseritz - 10.8.44 - 5.04 Berlin - 9.54  Am 22.08.1944 um 10h30 wurde sie eingeliefert - U.H.Moabit.  n?  Die heute dorthin überführte ist am …  Radzionkau/Kreis Tarnowitz (Radzionkow/Tarnowskie Gory) – 22. September 1944
# 3 kleine Schlüssel
[[Plik:Inlovingmwmory.jpg|alt=Traueranzeige leer|mały|Traueranzeige leer]]
 
== Grabrede mit 80-jähriger Verspätung ==
 
 
Liebe Trauergäste,
 
heute, mit 80 Jahren Verspätung, möchte ich Dich verabschieden, liebe Maria Wieczorek, vielleicht hat man Dich Marysia genannt, und die Rede für Dich halten, die nie gehalten worden ist. Es ist für mich und für uns immer noch unfassbar, was Dir angetan worden ist. Um fünf Uhr vier, eines Morgengrauens im August, ja, so genau wurde es protokolliert, fünf Uhr und vier Minuten, wurdest du in den Transporter geladen, der Dich in den Tod gefahren hat.
 
Ich weiss, Dir würde das schwarze Kleid gefallen, dass ich heute Dir zu Ehren angezogen habe. Denn Du warst Schneiderin. Deine Finger nähten vielleicht Negligés, vielleicht Uniformen, vielleicht auch Kleider für die Taufe und die Kommunion. Wahrscheinlich hattest Du einen Blick für Schnitte, für Stoffe, für Eleganz.
 
Du hast zwei Kriege erlebt. Den ersten hast Du überlebt - der zweite hat Dich exekutiert. Weisst Du, dass Du ein Jahr vor Kriegsende unter die Guillotine kamst? Fünf Jahre lang hast Du diesen Krieg ausgehalten und ertragen, vielleicht mit Hoffnung, vielleicht mit Humor, vielleicht in stiller Verzweiflung - und dann, ein Jahr vor seinem Ende, hat das scharfe Beil der Guillotine deinem Leben ein Ende gesetzt. Du musst gefährlich gewesen sein, denn Du wurdest in Einzelhaft gehalten. Ein Wort hat Dein Schicksal besiegelt: HEIMTÜCKE. Das war dein Todesurteil.  
 
Dabei warst Du garantiert das Gegenteil von heimtückisch. Vielleicht warst Du mutig, vielleicht warst Du einfach nur unvorsichtig. Wir wissen es nicht. Wir wissen nur: Diejenigen, die über Dich gerichtet haben, hatten nicht das Recht dazu! Indem Du gegen sie warst, warst Du auf der richtigen Seite.
 
So genau wurde protokolliert, wieviele Brotkarten, wieviele Fettkarten Du hinterlassen hast, Deine intimisten Dinge wurden minitiös festgehalten: drei Schlüssel, Dein BH und Dein Unterrock. Was fehlte, war Dein Vollstreckungs-Urteil. Der Fahrer des Transporterst von fünf Uhr vier, gab mündlich Bescheid, dass Du ermordet werden sollst. Für das Fehlen des Papiers entschuldigt man sich. Nein, nicht bei Dir - bei den Vollstreckern, für die mangelhaft ausgeführte Bürokratie.
 
Was für eine Perversion, was für eine verkehrte Welt. Auch wenn wir Dich nicht kannten - Dein Verlust verletzt uns zutiefst - er verhöhnt unseren moralischen Kompass, alles Wissen von Recht und Unrecht, von Richtig und Falsch. Und auch wenn wir Dich nicht kannten, die Erinnerung an Dich soll für immer in unseren Herzen bleiben.
 
Wir können Dich nicht rächen, nicht wieder lebendig machen, aber eins können wir: Dir versprechen, liebe Marysia, dass wir alles dafür tun, dass sowas nie wieder geschehen wird!
 
KAMPF _ DEM _ FASCHISMUS

Wersja z 19:18, 21 gru 2023

Autorin: Johanna Rubinroth

Das Leben und der Tod im Archiv

Geboren im vorletzten Jahrhundert - am 4. August 1886.

Eines Tages: VERHAFTUNG.

ZUCHTHAUS. Ein Ausrufezeichen hinter dem Wort Einzelhaft.

Straftat: HEIMTÜCKE. Nicht näher ausgeführt.

Am 21.8.44 - zum Tode verurteilt. TODESSTRAFE. Nicht näher ausgeführt.

Verblichene Briefe an das Ernährungsamt, wieviele Fettkarten, wie viele Brotkarten.

Transporte von da nach hier. Bis schliesslich der letzte Transport. Von wo kam sie, als sie verhaftet wurde? Wohin ging sie, wo sie nie ankam?

Lief sie in einen Hinterhalt? War es ein dummer Zufall, der sie sterben liess? Vielleicht war sie müde. Sie ahnte nicht, dass der Krieg nur noch ein Jahr dauern sollte, sie ahnte nicht.

Wir wissen nichts. Von der Archivakte wissen wir soviel und doch wissen wir nichts.

Wir wissen: sie wurde guilltoniert. Was war ihr Statement? Für wen, für was hat sie ihr Leben riskiert? Für einen Menschen? Für die Idee der Gerechtigkeit? Einfach nur, weil sie gegen das Unrecht war? Sie füllte einen Fragebogen aus.

Ob sie besonders starke Leidenschaften hatte? Zigaretten, Glücksspiel, Sex oder Alkohol?

Was gedenken Sie nach der Entlassung zu tun? Unleserlich.

Liste der Sachen von Maria Wieczorek nach ihrem Tod.
Liste der Sachen von Maria Wieczorek nach ihrem Tod. Landesarchiv Berlin, ARep369

Frappierend: Die Genauigkeit, mit der das Unrecht protokolliert wird. Sie hinterliess einen Unterrock, einen BH, eine Einkaufstasche, vielleicht ein Falls-Beutel, wie wir ihn manchmal mit uns nehmen? Ein kleiner Kamm mit Hülle.

Von ihrem verbliebenen Geld wurden die Gerichtskosten bezahlt. Die schriftliche Mitteilung ist versehentlich noch nicht mitgesandt worden. Das Urteil ist aber nach mündlicher Angabe des Transporteurs rechtskräftig. LEBENSLAUF des Strafgefangenen. Um 5.04 im August war der Transport. August fünf Uhr morgens. Nur ein Wort Gefangenenkarte von Maria Wieczorek Landesarchiv Berlin A Rep 369 Kartei Von Beruf: Ehefrau Einzelhaft! keine Kinder wohnte Goldschmieden bei Breslau keine Anträge, keine Beschwerden… früher Schneiderin zuletzt Siedlerin an den herrn Vorstand des Strafgefängnisses BERLIN - PLÖTZENSEE Betreuung der zum Tode Verurteilten durch die Pfarrer. am 22. August 1944 ist die wegen Heimtücke zum Tode verurteilte Gefangene Maria Wieczorek hier eingeliefert worden. Sie wird seelsorgerisch von Herrn Pfarrer Buchholz betreut. Am Freitag, dem 22. September 1944 wird im Strafgefängnis Plötzensee ab 10.30 die Vollstrecktung der Todesurteile gegen (Anna Zagora) Maria Wieczorek 22.9.44 hingerichtete in der Anstalt folgende Sachen. 30. November 44 Die Regierungsrätin Dr. Pfahl schreibt. Maria W. hat vor ihrem Tode den Wunsch geäussert, dass die Sachen an ihre Schwägerin Martha Wieczorek ausgehändigt werden. Es wird um Entscheiung gebeten, ob gegen die Aushädigung Bedenken bestehen. Reichanwaltschaft, Berlin 7.12.44 in der Bellevuestrasse … teile ich mit, das keine Bedenken gegen Aushändigung der hinterlassenen Sachen bestehen. 3 Euro Meseritz - 10.8.44 - 5.04 Berlin - 9.54 Am 22.08.1944 um 10h30 wurde sie eingeliefert - U.H.Moabit. n? Die heute dorthin überführte ist am … Radzionkau/Kreis Tarnowitz (Radzionkow/Tarnowskie Gory) – 22. September 1944

Traueranzeige leer
Traueranzeige leer

Grabrede mit 80-jähriger Verspätung

Liebe Trauergäste,

heute, mit 80 Jahren Verspätung, möchte ich Dich verabschieden, liebe Maria Wieczorek, vielleicht hat man Dich Marysia genannt, und die Rede für Dich halten, die nie gehalten worden ist. Es ist für mich und für uns immer noch unfassbar, was Dir angetan worden ist. Um fünf Uhr vier, eines Morgengrauens im August, ja, so genau wurde es protokolliert, fünf Uhr und vier Minuten, wurdest du in den Transporter geladen, der Dich in den Tod gefahren hat.

Ich weiss, Dir würde das schwarze Kleid gefallen, dass ich heute Dir zu Ehren angezogen habe. Denn Du warst Schneiderin. Deine Finger nähten vielleicht Negligés, vielleicht Uniformen, vielleicht auch Kleider für die Taufe und die Kommunion. Wahrscheinlich hattest Du einen Blick für Schnitte, für Stoffe, für Eleganz.

Du hast zwei Kriege erlebt. Den ersten hast Du überlebt - der zweite hat Dich exekutiert. Weisst Du, dass Du ein Jahr vor Kriegsende unter die Guillotine kamst? Fünf Jahre lang hast Du diesen Krieg ausgehalten und ertragen, vielleicht mit Hoffnung, vielleicht mit Humor, vielleicht in stiller Verzweiflung - und dann, ein Jahr vor seinem Ende, hat das scharfe Beil der Guillotine deinem Leben ein Ende gesetzt. Du musst gefährlich gewesen sein, denn Du wurdest in Einzelhaft gehalten. Ein Wort hat Dein Schicksal besiegelt: HEIMTÜCKE. Das war dein Todesurteil.  

Dabei warst Du garantiert das Gegenteil von heimtückisch. Vielleicht warst Du mutig, vielleicht warst Du einfach nur unvorsichtig. Wir wissen es nicht. Wir wissen nur: Diejenigen, die über Dich gerichtet haben, hatten nicht das Recht dazu! Indem Du gegen sie warst, warst Du auf der richtigen Seite.

So genau wurde protokolliert, wieviele Brotkarten, wieviele Fettkarten Du hinterlassen hast, Deine intimisten Dinge wurden minitiös festgehalten: drei Schlüssel, Dein BH und Dein Unterrock. Was fehlte, war Dein Vollstreckungs-Urteil. Der Fahrer des Transporterst von fünf Uhr vier, gab mündlich Bescheid, dass Du ermordet werden sollst. Für das Fehlen des Papiers entschuldigt man sich. Nein, nicht bei Dir - bei den Vollstreckern, für die mangelhaft ausgeführte Bürokratie.

Was für eine Perversion, was für eine verkehrte Welt. Auch wenn wir Dich nicht kannten - Dein Verlust verletzt uns zutiefst - er verhöhnt unseren moralischen Kompass, alles Wissen von Recht und Unrecht, von Richtig und Falsch. Und auch wenn wir Dich nicht kannten, die Erinnerung an Dich soll für immer in unseren Herzen bleiben.

Wir können Dich nicht rächen, nicht wieder lebendig machen, aber eins können wir: Dir versprechen, liebe Marysia, dass wir alles dafür tun, dass sowas nie wieder geschehen wird!

KAMPF _ DEM _ FASCHISMUS