Władysława Sieradzka (DE)
Projekt: "Frauen im Schatten der Guillotine. Polinnen im Gefängnis Plötzensee"
Autorin: Olga Masłowska
Biographie
Władysława Sieradzka (geb. Słaboszewska) *26. Juni 1891 in Zawiercie (Warthenau); † Dezember 1942 in Plötzensee, war eine polnische Widerstandskämpferin während des Zweiten Weltkriegs. Sie war Tochter von Dominik Słaboszewski und Wiktoria Słaboszewska (geb. Zdankiewicz)
Władysława Sieradzka
Bekannt unter dem Spitznamen "Władka", fungierte sie als lokaler Kontakt für WSK - Wojskowa Służba Kobiet (Militärdienst der Frauen) in Zawiercie und für das Inspektorat des ZWZ-AK (Bund für den Bewaffneten Kampf der polnischen Heimatarmee) in der Region Sosnowiec.Vor dem Ersten Weltkrieg arbeitete sie, wie viele andere, in in einer Baumwoll-Spinnerei AG in Zawiercie.
1915 heiratete sie einen Handwerker, Bronisław Sieradzki, mit dem sie in Jahren 1921 bis 1927 einen Schuhladen führte. Nach seinem Tod im Jahr 1927 und der Schließung des Ladens betrieb sie bis zum Frühjahr 1941 ein Wirtshaus in der ul. Kościuszki 6 und später, bis zu ihrer Verhaftung im Juli 1942, in der ul. Górnośląska.(1)
Anfang November 1939 organisierte Elżbieta Zawacka, bekannt als "Zelma", ein Netzwerk weiblicher Spioninnen in Sosnowiec aus Mitgliedern der paramilitären Organisation der Frauen (OPWK). Sie sammelten Informationen über das Verhalten der Deutschen, deren Anzahl in der Region, industrielle Produktion und über andere relevante Themen. Die monatlichen Berichte wurden an hochrangige Offiziere weitergeleitet.
Bereits im November 1939 wurde auch Władysława Sieradzka von Konstancja Brzozowska für diese konspirative Bewegung angeworben. Brzozowska schlug vor, eine Kontaktbriefkasten in Władysławas Lokal zu platzieren. Der Briefkasten diente zur Kommunikation mit dem Inspektorat des ZWZ-AK (Bund für den Bewaffneten Kampf der polnischen Heimatarmee) in Sosnowiec und funktionierte ununterbrochen bis Ende März 1942, also bis zum sog. "wielka wsypa"(großer Verrat), als die Gestapo das Konspirationsnetz des ZWZ in der Sosnowiec Region zerschlug und Massenverhaftungen durchführte.(1)
Unabhängig vom Kontaktbriefkasten, fanden in Władysławas Restaurant dringende konspirative Treffen statt, da die hohe Frequenz an Gästen des Lokals keinen Verdacht erregte. Zusätzlich wurden dort mündliche sowie schriftliche Anweisungen für bestimmte Personen hinterlassen. Die Meldegängerinnen aus Sosnowiec sowie lokale Geheimbotinnen aus dem gesamten Bezirk arbeiteten dort und erhielten kostenlose Mahlzeiten. Sie konnten bei dringendem Bedarf Kontakt mit jemandem aus der Bezirksleitung aufnehmen. In der ZWZ-AK-Konspiration arbeiteten auch Władysławas Sohn Teofil und ihre Tochter Krystyna.(1)
Władysława Sieradzka kannte die meisten Mitglieder des AK-Distriktsstabes sowie die Kommandanten der umliegenden Einrichtungen und örtlichen Einheiten. Während der großen Verhaftungswelle in Sosnowiec im Mai 1942 wurden unter anderem Bronisława und Zofia Binek sowie Halina Konieczna festgenommen, die sowohl Władysława Sieradzka als auch den Standort des geheimen Briefkastens in Zawiercie kannten. Es war daher unerlässlich, den konspirativen Briefkasten zu beseitigen und Władysława Sieradzka aus Zawiercie herauszuholen. Sie erhielt den Befehl des Stabschefs des AK-Distrikts Schlesien, Zawiercie sofort zu verlassen und in das Generalgouvernement zu fahren. Der Befehl wurde mit den entsprechenden Unterlagen von Marian Koczerba, alias "Stock", überbracht, der den Schmuggel von Menschen über die Grenze zum Generalgouvernement in Ogrodzieniec (Podzamcze) leitete.(1)
Trotz erhaltenem Befehl, zögerte Sieradzka bis Juli 1942 mit ihrer Abreise, da sie die Situation nicht kritisch genug eingeschätzt hat. Während der Zeit handelte sie vorsichtig und übernachtete nicht zu Hause, in dem Glauben, dass Verhaftungen generell nachts stattfanden. Leider wurde Władysława Sieradzka Mitte Juli 1942 vom Gestapo in einem Zug verhaftet und im Polizei-Ersatz-Gefängnis in Mysłowice inhaftiert, von wo aus ihre Tochter die einzige Postkarte erhielt (im Besitz von Krystyna Mizera).(1)
Im Januar 1943 wurde Władysława Sieradzkas Schwester Janina Grycnerowa, die in Myszków lebte, zur Gestapo in Zawiercie gerufen, wo ihr mitgeteilt wurde, dass Władysława Sieradzka im Dezember 1942 wegen Hochverrats zum Tode verurteilt. Das Urteil wurde in Berlin, höchstwahrscheinlich in Plötzensee (Daten fehlen) vollstreckt.
Es ist nicht bekannt, wer Władysława Sieradzka verraten hat.
Eines ist sicher: Die Verhaftung von Sieradzka hatte keine negativen Auswirkungen auf die Organisation in Zawiercie, obwohl Sieradzka die meisten Kommandeure nicht nur von ZWZ-Einheiten, sondern auch von militärischen Einheiten und dem Leitungspersonal der Polnischen Sozialistischen Partei kannte.(1) Da sie, trotz schwerem Verhör, niemanden verraten hat, wurde Władysława Sieradzka von der Kommandantur des Schlesischen Distrikts der Heimatarmee für das Virtuti-Militari-Kreuz vorgeschlagen. Virtuti Militari (lat. „für militärische Tugend“) ist der höchste polnische Militärverdienstorden.
Nur drei Frauen in ZWZ-AK Bezirk Schlesien wurden mit dem VM-Kreuz ausgezeichnet, während der Rest, obwohl ebenso verdienstvoll, eine solche Anerkennung nicht erhielt. Władysława Sieradzka war eine der drei ausgezeichneten Frauen.
Quellen & Links
https://www.straznicyczasu.pl/viewtopic.php?p=33631&sid=de2114189a57859643e5129d2da850a1
https://onebid.de/de/akcje-i-obligacje-zawiercie-przedzalnia-bawelny-em-3-250-rub-1889/204066
1. Fundacja Generał Elżbiety Zawackiej. Teczka. Memoriał Generał Marii Wittek. Relacja o nieżyjącej uczestniczce walk o niepodległość. Władysława Sieradzka. Katowice, 10.12.1974.
2. Mieczysław Starczewski: Udział kobiet w walce z okupantem w Okręgu Śląskim OOB-SZP-ZWZ-AK https://przegladdziennikarski.pl/udzial-kobiet-w-walce-z-okupantem-w-okregu-slaskim-oob-szp-zwz-ak/ (25.02.2024)
Förderung[edytuj | edytuj kod]
Beitrag gefertigt während und nach dem Workshop "Frauen im Schatten der Guillotine. Polinnen im Gefängnis Plötzensee" am 24.02.2024
Das Projekt ist gefördert von der Stiftung EVZ (Erinnerung Verantwortung Zukunft).
Diese Veröffentlichung stellt keine Meinungsäußerung der Stiftung EVZ dar. Für inhaltliche Aussagen trägt Polkopedia die Verantwortung.