Helena Maćkowiak (DE)

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Projekt "Frauen im Schatten der Guillotine. Polinnen im Gefängnis Plötzensee"

Beschreibung des Projekts

Beschreibung des Workshops

Autorin: Monika Wrzosek-Müller

Das Leben und der Tod

Bild von Anna Krenz, Februar 2024
Bild von Anna Krenz, Februar 2024

Helena Maćkowiak, geb. Przybył

Geboren am 12. Juli 1902 in Berlin. Hingerichtet am 2. November 1943 mit dem Fallbeil in der Berlin-Charlottenburg, Justizvollzugsanstalt Plötzense.

Sie ist die ältere Schwester von Stefania Przybył, die als einzige aus dem Gefängnis Berlin-Moabit geflüchtet ist und dadurch große Bekanntheit erlangt hat.

Die beiden Schwestern haben eine regelrechte Odyssee mit Verhören in verschiedenen Gefängnissen im Reich durchgemacht: Alexanderplatz, Hamburg-Fuhlsbüttel, nach drei Wochen wiederum am Alexanderplatz und schließlich, im Frühjahr, in Moabit.

Helena Maćkowiak, Todesurteil, Landesarchiv Berlin, ARep269
Helena Maćkowiak, Todesurteil, Landesarchiv Berlin, ARep269

Die Verhandlung gegen Helena dauerte etwa acht Minuten, die gegen Stefania nicht viel länger. Die Anklage lautete: „Ich klage sie an, als Agentin der illegalen polnischen Nachrichtenorganisation Stragan vom Oktober 1941 bis zum 21 November 1942 im Kriegsgebiet der deutschen Wehrmacht, nämlich in Berlin, Bad Berka, Magdeburg, Hamburg und anderen Orten des Großdeutschen Reiches heimlich oder unter falschem Vorwand für den Feind kriegswichtige Nachrichten eingezogen und einzuziehen gesucht und dadurch Kriegsspionage getrieben zu haben.“ Während der Urteilsverkündung (Todesstrafe) fiel Helena in Ohnmacht und wurde aus dem Saal getragen. Die Richter gaben dem Antrag von Stefania statt, dass die Schwestern die letzten 24 Stunden vor der Hinrichtung gemeinsam in einer Zelle verbringen durften. Beide wurden zum Tode wegen „Kriegsspionage“ verurteilt.

Sie waren die Töchter der polnischen Emigranten Maria und Andrzej Przybył, die sich vor dem Ersten Weltkrieg in Berlin niedergelassen hatten; beide wurden in den Akten als sog. Reichsangehörige bezeichnet. Sie wurden aber sehr patriotisch erzogen. Helena, die älteste von fünf Geschwistern, hatte eine besonders enge Beziehung zu Stefania. Nach dem Tod ihres Vaters kümmerte sich Helena um ihre Schwester, die erst wenige Jahre alt war.

Stellen wir uns die beiden Schwestern in einer Zelle vor. Sie wissen, dass sie am nächsten Tag hingerichtet werden sollen. Sie haben die Flucht zusammen vorbereitet, doch kurz davor werden sie in eine andere Zelle verlegt; dort sind die Abstände zwischen den Gitterstäben enger. Die eine flüchtet. Sie kann sich, da sie so abgemagert ist, zwischen den Gitterstäben vor dem Zellenfenster hindurchzwängen; an einem Tau, das sie monatelang aus Stofffetzen zusammengenäht haben (die beiden waren Schneidermeisterinnen) seilt sie sich nach unten ab. Die Flucht gelingt. Der anderen gelingt das nicht, weil ihr Kopf für den Zwischenraum zwischen den Gitterstäben zu breit ist, es geht anatomisch nicht. Am nächsten Tag, bevor sie hingerichtet wird, informiert man sie, dass ihre Schwester gefasst und verhaftet worden sei, was nicht der Wahrheit entspricht. Eine echte griechische Tragödie mit zwei Heldinnen.

Als Vergeltung für Stefanias Flucht verhafteten die Deutschen ihre Mutter und ihre Schwester Wanda. Nach ein paar Monaten wurden sie jedoch freigelassen.

Nach Stefanias Flucht wurden den weiblichen Gefangenen in Moabit für die Nacht die Hände gefesselt. Über weitere Ausbrüche aus diesem Gefängnis ist nichts bekannt.

Sterbeurkunde von Helena Maćkowiak.
Sterbeurkunde von Helena Maćkowiak, ausgestellt vom Standesamt Berlin-Charlottenburg, das für die im Gefängnis Plötzensee Hingerichteten zuständig war.

Helena wurde am 2. November 1943 mit dem Fallbeil hingerichtet.

Förderung

Beitrag gefertigt vor, während und nach dem Workshop "Frauen im Schatten der Guillotine. Polinnen im Gefängnis Plötzensee" am 20.01.2024 Das Projekt ist gefördert von der Stiftung EVZ (Erinnerung Verantwortung Zukunft).

www.stiftung-evz.de

Diese Veröffentlichung stellt keine Meinungsäußerung der Stiftung EVZ dar. Für inhaltliche Aussagen tragen die Projektleiterinnen die Verantwortung.