Franciszka Rychły (DE)
Projekt: "Frauen im Schatten der Guillotine. Polinnen im Gefängnis Plötzensee"
Autorinnen: Julia Szenwald & Joanna Gromadzka
Das Leben und der Tod
Franciszka Rychły, geb. 30.11.1907 in Großpolen, stracona 04.03.1943 in Plötzensee
Franciszka Rychły wurde im Dorf Podmokłe Małe (dt. Klein Posemuckel, seit 1937 Klein Posenbrück), Kreis Babimost, in Preussisch-Polen geboren. Im Dorf waren verschiedene polnische Organisationen und Vereine aktiv. 1906 brach hier ein Schulstreik auf. Eltern und Kindern verlangten Religionsunterricht auf Polnisch.
Nach dem Ersten Weltkrieg blieb das Dorf in Deutschland, allerdings nah an der Grenze zu Polen, das gerade seine Unabhängigkeit erlangte. Die Dorfbewohner waren weiterhin polnisch-patriotisch sehr aktiv. 1929 wurde im Dorf eine polnische Schule eröffnet. Es war unter anderen einen gewissen Antoni Rychły, einen polnischen Aktivisten zu verdanken; wahrscheinlich eine Verwandter von Franciszka.
Gleich nach dem Beginn des Zweiten Weltkrieges begannen im Dorf Inhaftierungen der polnischen Aktivisten. 1940 unter den Verhafteten fand sich auch Franciszka und drei weitere Mitglieder der Familie Rychły.
Aus den Akten des Gefängnis' Plötzensee geht heraus, dass Franciszka einer armen Bauernfamilie stammte (In der Rubrik Beruf schrieb man “Landarbeiterin” ein) und nach dem Schulabschluss ihren Mutter half. Sie hat nicht geheiratet. Zusammen mit ihren Bruder, Angehörigen und Bekannten war sie bei den patriotischen Aktivitäten tätig. Schon ab Frühling 1939 wurde ihr seitens der deutschen Polizei vorgeworfen, mit polnischen Spionagediensten zu kollaborieren, damit sie Angaben zum Lokalisierung der deutsche Militäreinheiten an der Grenze zu Polen lieferte. Sie wurde wegen des Landesverrats in Plötzensee hingerichtet.
Franciszkas Schicksal wurde durch die Pflege der patriotischen Traditionen in ihrer Familie beeinflusst, für die viele ihrer Verwandten, darunter auch sie selbst, den höchsten Preis zahlten. Besonders hervorzuheben sind ihr Mut und ihre Konsequenz in ihren Lebensentscheidungen - sie entschied sich gegen eine Heirat und engagierte sich in patriotischen Aktivitäten. Franciszka muss eine intelligente Frau gewesen sein, die in ihrer Gemeinschaft Autorität genoss, wenn der polnische Geheimdienst ihr die Zusammenarbeit anbot, die die Weitergabe streng vertraulicher und strategischer Informationen beinhaltete.
Links
https://www.gedenkstaette-ploetzensee.de/totenbuch/recherche/person/rychly-franziska
https://www.porta-polonica.de/pl/wojenne/berlin-plotzensee
https://zamkilubuskie.pl/podmokle-male-posenbruck-klein/
https://www.szukajwarchiwach.gov.pl/de/jednostka/-/jednostka/6850625
Förderung[edytuj | edytuj kod]
Beitrag gefertigt während des Workshops "Frauen im Schatten der Guillotine. Polinnen im Gefängnis Plötzensee" am 24.02.2024
Das Projekt ist gefördert von der Stiftung EVZ (Erinnerung Verantwortung Zukunft).
Diese Veröffentlichung stellt keine Meinungsäußerung der Stiftung EVZ dar. Für inhaltliche Aussagen tragen die Projektleiterinnen die Verantwortung.