Cecylia Grześkiewicz (DE)
Projekt "Frauen im Schatten der Guillotine. Polinnen im Gefängnis Plötzensee"
Autorin: Marta Kubiś
Das Leben und der Tod
Geboren am 10. August 1924, in dem Dorf Gadów (Godów) bei Turek in Grosspolen. Hingerichtet am 25. November 1943 in Berlin-Plötzensee.
Als sie 15 Jahre alt war, wurde das Dorf nach zwölftägigen Kämpfen schließlich von der Nazi-Armee besetzt. Die Einwohner fanden sich im Wartheland wieder, das von einem völkermörderischen Regime beherrscht wurde. Bald begannen auch die Deportationen nach Deutschland zur Arbeit.
Aus den Akten geht hervor, dass sie nach der Enteignung des väterlichen Hofes im Sommer 1942 zunächst bei einem deutschen Bauern in der Nähe arbeitete. Im März 1943 wurde sie zur Zwangsarbeit auf einen Hof im Reich (Reckow, heute Rekowo Lęborskie) geschickt. Neben ihr arbeiteten ein weiterer Franzose und ein Ukrainer auf den 124 Morgans der Familie Schröder. Von Anfang an leistete sie passiven Widerstand und "drückte sich vor jeder Arbeit".
Bald ging sie zum aktiven Kampf über. Bereits am 1. Juni zündete sie das Heu im Wagenremise an, so dass in der Scheune der Schröders ein Feuer ausbrach, von dem auch das benachbarte Arbeiterhaus abbrannte. Sie tat dies so geschickt, dass die Ursache unerklärt blieb. Drei Wochen später, als ein Versicherungsbeamter zum Bauernhaus kam, hat Frau Schröder Speck ausgebraten und das ausgelassene Fett in ein Napf gegossen. Nach Angaben der Schröders nutzte Cecilia die Situation aus und fügte, während das Fett noch flüssig war, Lysol aus dem Küchenschrank hinzu. Am nächsten Tag verströmte das abgekühlte Schmalz einen charakteristischen stechenden Geruch, so dass es nicht gegessen wurde, und zwei Tage später war es verschwunden.
Bei ihrer Vernehmung bestätigte Cecilia, die Scheune in Brand gesetzt zu haben, gab aber den Vergiftungsversuch nicht zu. Die deutschen Polizeibeamten fanden auch keine Spuren von Lysol in dem Küchenschrank. Das Gericht befand Cecilia aufgrund von Schröders "glaubhafter Aussage" der Vergiftung für schuldig.
Am 21. Oktober verurteilte das Sondergericht in Stettin Cecylia wegen Brandstiftung in einem Artikel über "Schädlinge der Nation" zum Tode.Was sie angezündet haben soll hat, ist mir noch nicht klar.
Sie wurde ins Gefängnis in Berlin-Plötzensee geschickt. Dort wurden die Verurteilten manchmal nur wenige Tage vor ihrer Hinrichtung zu Einzelhaft verurteilt. Die im Erdgeschoss gelegenen Todeszellen waren eng und sehr kalt. Der November kam.
Am 25. November 1943 um 16:30 Uhr wurde Cecylia Grześkiewicz ermordet.
Aus den Akten geht nicht hervor, wie sie ermordet wurde, durch Erhängen oder das Fallbeil.
Persönliches
Cecylia Grześkiewicz hinterlässt ihre Eltern Marianna und Stanisław. Während des Krieges wurden ihr Vater und zwei Geschwisterzur Arbeit nach Westphalen deportiert, wobei die drei anderen Geschwister mit der Mutter in Turek geblieben sind. Ich habe ihre Gräber nicht finden können. Cecylia ruht wahrscheinlich in einem Massengrab auf dem Friedhof Plötzensee, in der Abteilung "Kriegsgräberstätte". In ihrer Heimatstadt Gadów (Woiwodschaft Wielkopolskie / Großpolen, Kreis Kalisz) wohnen heutzutage unter 300 Personen.
Cecilia war zwei Jahre älter als meine Großmutter, die als Jugendliche in demselben grauenhaften Warthegau lebte. Meine Großmutter erzählte manchmal von der Zeit, die sie als landwirtschaftliche Zwangsarbeiterin verbrachte. Die Erinnerung an den Hunger, den sie dort erlebte ("die Schweine haben besser gegessen als ich"), hat sie nachhaltig geprägt - zu sagen, dass sie nahrhaft gekocht hat, ist ein leeres Wort. Sie hat hart gekochte Eier mit Butter bestrichen, weil Mayonnaise ihr zu dünn war. Auf die Frage, wie sie ihren Cholesterinspiegel senken könne, antwortete sie stets: "Ich habe mich bei der Bauern ausgehungert, das mache ich nicht noch einmal.
Meine Lieblingsgeschichte von der Großmutter handelt von einem illegalen Sonntagsausflug nach Poznań. Ein Nachbar hat sie dort gesehen und hätte sie anzeigen können.
Sie hätte Cecilia im Stettiner Sondergericht treffen können.
Links
Beitrag über Cecylia Grześkiewicz auf Polnisch
Förderung
Beitrag gefertigt vor, während und nach dem Workshop "Frauen im Schatten der Guillotine. Polinnen im Gefängnis Plötzensee" am 20.01.2024
Das Projekt ist gefördert von der Stiftung EVZ (Erinnerung Verantwortung Zukunft).
Diese Veröffentlichung stellt keine Meinungsäußerung der Stiftung EVZ dar. Für inhaltliche Aussagen tragen die Projektleiterinnen die Verantwortung.