Polinnen im Gefängnis Plötzensee

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Es ist die Seite des Projekts "Frauen im Schatten der Guillotine", ein Projekt über Polinnen, die während der NS-Herrschaft in Berliner Strafgefängnis Plötzensee hingerichtet wurden.

Das Projekt ist eine Fortsetzung und Erweiterung der Veranstaltungsreihe von 2022 "Die fehlende Hälfte der Geschichte" zur Geschichte der polnischen Frauen in Berlin.

Das Schicksal dieser Frauen soll aufgedeckt und archiviert werden.

Das Projekt wird von der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (EVZ) gefördert. Mehr darüber unten.

Um direkt die Konkrete Events im Rahmen des Projekts zu erruieren, bitte klicken Sie HIER

Konzept

Das Leben der polnischen Frauen, die in Deutschland lebten, wirkten und starben ist zum größten Teil völlig vergessen. Mit unserem Projekt wollen wir eine besondere Gruppe der Polinnen aus der Verschwiegenheit und Vergessenheit holen - die (meistens) junge Frauen, die während des 2. WK in Polen konspirativ tätig waren, und dann, denunziert und infolgedessen inhaftiert, nach Deutschland gebracht wurden. Viele von ihnen wurden in verschiedene KL geschickt, hier vor allem Ravensbrück, manche jedoch blieben in Berlin, wo sie auch hingerichtet wurden.

2022 widmeten wir ein ganzes großes Projekt einer von ihnen - Irena Bobowska (1920-1942), polnische Dichterin, Pfadfinderin und Widerstandskämpferin, die am 26. September 1942 in Plötzensee mit der Guillotine hingerichtet wurde. Wir betrachteten sie als Symbolfigur, im Laufe des Projekts entdeckten wir aber, dass es allein in Berlin mehrere Hunderte von ihnen in Gefängnissen rotteten und grausames Todes starben. Von vielen weißt man heute gar nicht, oder nur etwas Unvollständiges, Falsches. Gar ihre Namen sind oft falsch geschrieben. Wir wollen sie erinnern und ihre Schicksale der Öffentlichkeit zugänglich machen.

Unsere Platform, wo wir aktive Frauen aus Polen erinnern, heißt Polkopedia, die Online-Enzyklopädie der Polinnen in Berlin. Es ist eine Webseite nach dem Muster von Wikipedia konzipiert, die jedoch lebendiger ist und andere Dokumente zulässt, zB. Erinnerungen, Gedichte, Kunstarbeiten usw. Sie erinnert außerhalb von Polen tätige Polinnen, Frauen, die aktiv waren in der Politik, Kunst, Wissenschaft, Gesellschaft oder Wirtschaft, außerhalb von Polen lebten und/ oder starben. Wir dokumentieren das Leben und der Tod der Polinnen, Jüdinnen und Roma-Frauen aus Polenin Deutschland.

Das Projekt

Im Rahmen des Projekts wird eine Gruppe der Rechercher:innen entstehen, die später selbständig Projektarbeit forsetzen können, dh. Recherche, Archivierung, Vorbereitung eines Beitrags, ggf. Präsentation in der Buch- oder Ausstellungsform. So wird hier auf Polkopedia ein Pool mit Biografien von polnischen Frauen entstehen, die von den Nazis ermordet wurden.

Im Laufe des Projekts wird:

1. den Stand des Wissens über diese Frauen festgestellt

https://drive.google.com/drive/folders/1ysyinQs3T4PQrmcMfBaSRcBDk2WdpeO0?fbclid=IwAR2LNGp0pWAsV8lAwEYmd6wes6th6TTP5BoFXWIp6gc05cCufPS3_UtAD2I

2. die Gruppe der Rechercher:Innen zusammengestellt (jeweils bis zu 8 Personen)

3. drei Workshops organisieren (Recherche / Texte schreiben / Ergebnisse präsentieren)

Workshop 1: am 2. Dezember 2023

Workshop 2: am 20. Januar 2024

Workshop 3: am 24. Februar 2024

4. ca. 25 Biographien entdecken, dokumentieren, aufzeichnen

5. die Biographien in Polkopedia platzieren

6. eine Ausstellung und ein Video oder einen Podcast über das Projekt zu bereiten.

Die Workshops dienen dem Schreiben von Biografien von Frauen für Polkopedia, das dazu beitragen soll, das Bewusstsein für diejenigen zu erhöhen, die in der Geschichte übersehen wurden. Während des Workshops haben die Teilnehmer:innen die Möglichkeit, verschiedene Quellen und Materialien kennenzulernen, die ihnen bei der Erstellung von Biografien von Frauen helfen. Sie können entweder allein oder in Teams arbeiten. Die Polkopedia ist eine zentrale Anlaufstelle, auf der Informationen über die Frauen und ihre Geschichten gesammelt und für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Die Datenbank wird es ermöglichen, die Informationen über die Frauen zu strukturieren und zu durchsuchen, um so einen umfassenden Einblick in ihr Schicksal zu ermöglichen.

Zielgruppe

Adressat:innen des Projekts ist breite deutsche Öffentlichkeit, darunter auch Medien und Aktivist:innen der NGOs, sowie Politiker:innen. Unsere These lautet: Die Öffentlichkeit ist im Allgemeinen der Meinung, dass die Erinnerungskultur in Deutschland sehr gut funktioniert. Wir jedoch wollen beweisen, dass es sich nicht gänzlich so verhielt. Man erinnert sich ausschließlich an wenige Figuren und noch wenigere Kriegsereignisse. Das wahre Erinnern, das in die Herzen und under die Haut geht, existiert nicht. Man möchte nicht Neues wissen, keine neue Erkenntnisse zulassen, keine andere Situationen und Fach-Personen anerkennen. Erinnerung an den 2. WK ist schematisiert und ritualisiert, meistens so gestaltet, dass es nicht stört und sich zugleich an die deutsche Zufriedenheit mit sich selbst reibungslos anpasst. Daran rütteln wir!

Tiefgreifende Ziele

Wir suchen die neuen Erinnerungsformen, bilden neue Erinnerungskultur, die an Bedürfnisse der jungen Generation angepasst ist. Wie durchforschen die Frage, wie man das Interesse an der Erinnerungsarbeit durch einen popkulturellen und intersektionalen Ansatz erwecken kann. Wir zeigen, wie die gemeinsame polnisch-deutsche Geschichte und das kulturelle Erbe lebendig und für alle zugänglich sein kann, unabhängig von Alter, Nationalität, Behinderung oder Geschlecht. Für die Zukunft wollen wir nicht nur Videobeiträge auf Soziale Medien und Youtube oder Spotify erstellen, sondern die jungen Menschen ermuntern, zu diesem schwierigen Thema auch Komputerspiele, Performance, Musik, Gedichte zu schöpfen.

Erfolgskriterien

  1. Recherche und Archivarbeit Ausbildung (Zahl der Teilnehmerinnen, Interesse und Meinung)
  2. Zahl der geschriebene Biografien, inklusive neu entdeckte Schicksale und Details
  3. Zahl der Einträge in Polkopedia (mindestens 10, aber je mehr desto besser)
  4. Material für die Ausstellung
  5. Presentation: Besucher:innen Zahl
  6. Medienpräsenz and Interesse der Öffentlichkeit
  7. Netzwerk und Weiterentwicklung von den Themen, neue Kooperationen

Projektergebnisse und Nachhaltigkeit

Das Projekt wird langfristige Formen und Ergebnisse haben, die über die Projektlaufzeit hinausgehen. Dazu gehören die Schaffung und Aufbau der Polkopedia mit der Datenbank über das Schicksal und Biografien polnischer Frauen in Berlin, die Organisation einer Ausstellung, Herstellung eines Komputerspiels und die Produktion eines Videos zur Geschichte dieser Frauen, die weiter genutzt werden können. Darüber hinaus können die archivierten Materialien langfristig genutzt werden, um das Bewusstsein für die Geschichte polnischer Frauen in Berlin zu erhöhen. Sie können für Forschungszwecke, für Bildungsprogramme oder für weitere Ausstellungen und Projekte genutzt werden. Die Forscher:innengruppe, die im Rahmen des Projekts gebildet wird, kann weiterhin an der Dokumentation und Aufdeckung der Geschichte polnischer Frauen in Berlin arbeiten und ihr Wissen weitergeben. Die erstellten Biografien können dazu beitragen, dass diese Frauen einen Platz in der Geschichte erhalten und für zukünftige Generationen sichtbar bleiben.

Sichtbarkeit des Projekts

Um die Reichweite unseres Projekts zu erhöhen und es einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen, greifen wir zu bewahrten aber wirksamen Mittel wie traditionelle Pressearbeit und Social Media (Facebook und Instagram). Wir werden regelmäßig Updates, Fotos und Videos teilen und unsere Follower ermutigen, das Projekt mit anderen zu teilen.

Pressearbeit: Wir werden lokale, überregionale und polnische Medien über unser Projekt informieren und sie dazu einladen, darüber zu berichten. Dazu werden Pressemitteilungen verschickt und Interviews anbieten.

Veranstaltungen: Wir werden Veranstaltungen organisieren, um das Projekt der Öffentlichkeit zu präsentieren und Interesse zu wecken. Dazu gehören offene Workshops, und die Abschluss Ausstellung.

Kooperationen: Wir werden Kooperationen mit anderen Organisationen oder Personen eingehen, die ein ähnliches Interesse an unserem Thema haben. So können wir unser Netzwerk erweitern und das Projekt noch bekannter machen.

Online-Plattformen: Wir werden das Projekt auch auf verschiedenen Online-Plattformen präsentieren: auf unserer eigenen Webseite Polkopedia und Youtubekanal.

Förderung

Das Projekt wird gefördert von der Stiftung EVZ (Erinnerung Verantwortung Zukunft)

www.stiftung-evz.de

Diese Veröffentlichung stellt keine Meinungsäußerung der Stiftung EVZ dar. Für inhaltliche Aussagen trägt die Polkopedia die Verantwortung.

Organisation

Ein Projekt von Ambasada Polek e.V. in Zusammenarbeit mit Regenbogenfabrik, Dziewuchy Berlin und International Council of Polish Women+.

Ambasada Polek e.V. (Deutsch: Botschaft der Polinnen) ist ein gemeinnütziger Verein, der sich für Frauen_rechte, Frauen_geschichte, Kunst und Kultur sowie deutsch-polnische Beziehungen einsetzt. Wir sind eine migrantische Organisation der Polinnen*, die versucht

1. der männlichen Dominanz im Leben der polnischen Diaspora entgegenzuwirken

2. den deutschen Kolonialismus innerhalb von Osteuropa zu definieren, thematisieren, verbalisieren und in der deutschen Öffentlichkeit zu präsentieren

3. die Frauenschicksale von Polinnen in Deutschland zu dokumentieren und präsentieren.

Wir sind weder PolitikerInnen noch WissenschaftlerInnen. Unsere Wirkungs-Methoden sind - Kunst, Buch, Diskussion, Aktivismus und Artivismus, Manifeste, Kundgebungen, Ausflüge, offene Workshops und andere Aktivitäten im öffentlichen Raum, mit dem übergeordneten Ziel - Archivieren und Erinnern. Wir arbeiten für die Solidarität mit Frauen* und LGBT+ in Polen, aber auch in Deutschland, weil wir hier leben. Die gegenseitige Solidarität und Kooperation zwischen Polen und Deutschland dringend notwendig in einer Zeit, in der es diese Kooperation auf Regierungsebene nicht gibt, in der eine braune Welle des Nationalismus durch beide Länder schwappt, in der Frauen- und LGBT+-Rechte immer noch bedroht und gebrochen sind. Als polnische Migrantinnen* werden wir immer noch diskriminiert, und zwar auf vielen Ebenen - als Frauen, als Migrantinnen* aus Osteuropa (in Deutschland) und in Polen als diejenigen, die nicht existieren, weil sie ihr Heimatland verlassen haben.