Anna Pajonk
Autorka: Ela Kargol
Po polsku
Anna Pajonk. Ur. 1900 w Katowicach. Z domu Lerch, córka policjanta. Mieszkała w Katowicach. Żona, bez zawodu, pani domu.
10 listopada 942 otrzymała wyrok śmierci. Stracona 4.3.1943 w berlińskim miejscu straceń Plötzensee.
Auf Deutsch
Anna Pajonk (Pająk), geb. Lerch
13. Januar 1900, Kattowitz (Katowice) - 4. März 1943 Berlin - Plötzensee
Ihr Mädchenname klang wie ein Gesang
Es hätte alles anders sein können. In ihrem Mädchennamen fehlte nur ein einziges „e“ mit dem sie eine Lerche gewesen wäre, die in den frühen Morgenstunden über den Feldern singt. Vielleicht hat sie in den ersten Jahren wirklich unbeschwert gesungen, getrillert, in Kattowitz oder Bogutschütz, bei den Eltern, wo die Tage noch einfach waren und die Welt überschaubar.
Mit der Abtretung Oberschlesiens an Polen erhielt Anna Lerch die polnische Staatsangehörigkeit.
Irgendwann heiratete sie und nahm den Namen ihres Mannes an: Pająk (pająk bedeutet Spinne). In der Urteilsurkunde steht zwar „Pajonk“ - eingedeutscht, geglättet, ein Name ohne seinen ursprünglichen Klang. Und wieder hatte sie Pech: Es fehlte das „ą“, dieses kleine Zeichen, das den Sinn verändert. Szczęśliwy ten dom, gdzie pająki są – glücklich das Haus, in dem Spinnen wohnen. Doch sie hieß Pajonk, wie ihr Ehemann, und der Zauber des Namens blieb ihr ein zweites Mal verwehrt.
Anna Lerch wurde am 13. Januar 1900 in Kattowitz geboren. Neben den zwei Buchstaben, dem einen, der fehlte, und dem anderen, der durch zwei falsche ersetzt wurde, stand auch eine Zahl in ihrem Leben: die 13. Weder Buchstaben noch Zahlen tragen Schuld an ihrem kurzen Leben und ihrem frühen, unnötigen und brutalen Tod. Und doch wirken sie wie Vorboten, die man erst im Rückblick erkennt.
Ihr Vater war Deutscher und arbeitete als Polizist in Bogutschütz, einem Ort bei Kattowitz, der ab 1924 zu Katowice gehörte. Die Mutter, Paula, hatte - wie man es damals nannte – den Status „ohne Beruf“. Das bedeutete, dass sie den Haushalt führte. Sie brachte die Kinder zur Welt, kümmerte sich um sie und ihren Mann, kochte, putzte, wusch die Wäsche und bewältigte all die Arbeiten, die ein Familienleben überhaupt ermöglichten.
Anna lebte bei ihren Eltern. 1924 heiratete sie den Polen Karl Pajonk (Karol Pająk). Karol arbeitete als Dekorateur und wohnte mit seiner Familie in Katowice in der Sobieskistraße 25. Auch Anna zog nach der Hochzeit dorthin. Im Adressbuch von 1935 erscheint eine Maria Pająk, Witwe - höchstwahrscheinlich Karls Mutter. Sein Vater starb 1931. Die Straße, in der die Familie lebte, trug im Deutschen Reich (bis 1922) und während der deutschen Besatzung Polens (1939–1945) den Namen Roonstraße. In der Zwischenkriegszeit von 1922 bis 1939 und erneut ab 1945 hieß sie Jan‑III-Sobieski‑Straße. Im Jahr 1923 gründete Wojciech Korfanty im Haus Nr. 11 die Schlesische Druck‑ und Verlagsgesellschaft „Polonia“ AG (Śląskie Zakłady Graficzne i Wydawnicze „Polonia“ S.A.) Die erneute Umbenennung der Straße im Jahr 1939 erlebte Anna nicht mehr. Das Haus, in dem die Familie Pająk wohnte, sofern die Nummerierung unverändert blieb, steht bis heute.
https://fotopolska.eu/1109018,foto.html?s=0.9&cx=890&cy=657
Verhaftung
Anna Pajonk (Pająk) wurde am 9. September 1939 verhaftet, vier Tage nach dem Einmarsch der deutschen Truppen in Kattowitz.
Die Stadt, nur zwanzig Kilometer von der polnisch‑deutschen Grenze entfernt, leistete nicht lange Widerstand.
Und diejenigen, die die Stadt verteidigten - die kleinen Einheiten der Selbstverteidigung, schlesische Aufständische, Pfadfinder - bezahlten dafür einen hohen Preis. Viele von ihnen wurden bereits Anfang September erschossen.
Nach ihrer Festnahme wurde Anna Pajonk (Pająk) zunächst in die Untersuchungshaft nach Breslau gebracht, später nach Berlin überstellt. Über das Frauengefängnis Barnimstraße gelangte sie schließlich in die Strafanstalt Plötzensee. Es war ihre letzte Station. Am 4. März 1943 wurde sie in Berlin‑Plötzensee durch Enthauptung hingerichtet.
Aus der Ehe mit Karl Pajonk (Pająk) stammten fünf Kinder. Zwei von ihnen starben früh. Das jüngste Kind wurde im August 1935 geboren. Fünf Jahre später wurde seine Mutter verhaftet. Fast acht Jahre nach der Geburt des jüngsten Kindes wurde Anna Pajonk (Pająk) ermordet. Der Vater Karl kam höchstwahrscheinlich im Konzentrationslager Mauthausen ums Leben. Die Kinder blieben als Waisen zurück.
Anna Pajonk (Pająk), ihr Bruder Franz Lerch und ihr Ehemann Karl Pajonk (Pająk) arbeiteten bereits lange vor Kriegsbeginn für den polnischen Nachrichtendienst. Aus der Anklageschrift vom 27. Juli 1942 sowie aus dem Todesurteil des Volksgerichtshofs vom 10. November 1942 geht hervor, dass die Angeklagte - und letztlich zu Unrecht Verurteilte - vor allem aus der wirtschaftlichen Notlage ihrer Familie heraus handelte.
Aus den Unterlagen des Todesurteils ergibt sich nicht, dass Anna Pająk aus politischen, patriotischen oder oppositionellen Motiven tätig war.
Die Urteile und ihre Begründungen wurden jedoch von nationalsozialistischen Behörden verfasst und folgten der damals üblichen, ideologisch geprägten Narration.
Landesverrat ist nach § 89 Stgb grundsätzlich mit der Todesstrafe bedroht, nur bei Ausländern kann nach § 89 Abs. 2 StGB auf lebenlanges Zuchthaus erkannt werden. Die Angeklagte war zur Tatzeit zwar rechtlich eine Ausländerin, der Senat hat jedoch aus folgenden Gründen davon abgesehen, auf sie die Ausnahmebestimmung des § 89Abs.2 StGB anzuwenden. Nach ständiger Rechtsprechung ist eine Ausnahme von der Todestrafe auch bei einem Ausländer nur dann vertretbar, wenn die Tat uneigennützig und aus patriotischen Beweggrunden begangen worden ist. Davon kann bei der Angeklagten keine Rede sein. Sie ist der Abstammung nach nicht Polin, sondern Deutsche und ist auch nicht aus uneigennützigen Gründen tätig geworden...
...Es darf in einer Zeit, in der an den Kriegsfronten die Besten ihr Leben für ihr Volk einsetzen und so viel Gutes Blut für Deutschland fließen muss, das schlechte Blut, welches sein deutsches Volkstum verrät, grundsätzlich nicht geschont werden. Der Senat hat daher die Todestrafe gegen die Angeklagte verhängt.“
https://www.gedenkstaette-ploetzensee.de/totenbuch/recherche/person/pajonk-anna
Diese Begründung widerspricht sich in jedem nationalistisch gefärbten Amtssatz und in jedem Todesurteil des Volksgerichts besonders gegenüber jenen Ausländerinnen und Ausländern, die uneigennützig und aus patriotischen Motiven handelten, ebenso wie gegenüber denen, die aus anderen Beweggründen Hilfe leisteten.
Aber "Recht ist, was dem Volke nützt".
Anna Pająk, Mutter von fünf Kindern, rechnete mit Sicherheit nicht mit der höchsten Strafe.
***
Ihr Mädchenname klang wie ein Gesang,
wie Morgentöne, die von Weitem gleiten,
melodisch, fröhlich, hell und lebenslang
Klänge aus Tagen, die das Glück begleiten.
Voll Freude in den Morgenstunden,
voll Hoffnung aufs Familienglück
und auf die Liebe auf'n ersten Blick,
und Zukunft, die verging in einer Stunde.
Bevor das Leben richtig blühte,
kam Haft, Verhör, Urteil und Tod.
Und keine Rettung aus dieser Not.
Sie könnte eine Lerche sein,
empor zum weiten Himmel steigen
den Tag begrüßen mit dem hohen C
doch fehlte ihr das kleine, unscheinbare „e“.
Links
https://www.gedenkstaette-ploetzensee.de/totenbuch/recherche/person/pajonk-anna