Marta Koszówna

Z Polkopedia
Wersja z dnia 17:40, 10 maj 2026 autorstwa Admin (dyskusja | edycje) (Created page with "'''Autorin: Olga Masłowska (''10.05.2026)''''' '''Marta Koszówna – eine (nicht)vergessene Kurierin des polnischen Widerstandes''' 27. Januar 1944. Berlin-Plötzensee....")
(różn.) ← poprzednia wersja | przejdź do aktualnej wersji (różn.) | następna wersja → (różn.)
Przejdź do nawigacjiPrzejdź do wyszukiwania

Autorin: Olga Masłowska (10.05.2026)


Marta Koszówna – eine (nicht)vergessene Kurierin des polnischen Widerstandes

27. Januar 1944. Berlin-Plötzensee.

Es ist kalt.

Eine 32-jährige Polin wartet gefesselt auf ihre Hinrichtung.

In den Akten erscheint sie als „Kurierin“.

Ihr Name: Marta Koszówna.

Am Abend davor wurde sie vom Staatsanwalt informiert. Seit dem 2. Dezember 1943, als der nationalsozialistische Volksgerichtshof sie wegen Landesverrats zum Tode verurteilt hatte, wusste sie, was sie erwartete.

Ein Fallbeil.

Woran denkt ein Mensch, wenn er seinen letzten Weg über einen kleinen Hof zum Hinrichtungsschuppen geht?

Was fühlt man, wenn man den Scharfrichter und seine Gehilfen sieht, die dort warten?

Denkt man an die Vergangenheit? Bereut man eigene Entscheidungen?

Woran denkst du, Marta?

Vielleicht an deine Kindheit in Oberschlesien, wo du am 27. Juli 1911 geboren wurdest. An deine Mutter Florentyna, die hochschwanger auf deinen Vater Jan wartete, bis er müde von der Schicht in der Bismarckhütte nach Hause kam. Wie war es für euch, an einem Ort zu leben, der mal deutsch – Bismarckhütte – und mal polnisch – Hajduki Wielkie – hieß?

Du wurdest noch im Deutschen Kaiserreich geboren. Deine Kindheit fiel in eine Zeit von Volksabstimmungen, Aufständen und neuen Grenzen. Mal war dieser Ort deutsch, mal polnisch. Hajduki Wielkie wurde 1922 Teil des polnischen Staates. Die Region war geprägt von Industriearbeit, Mehrsprachigkeit und politischen Spannungen.

Hast du diese Spannungen gespürt? Wie lebt man in einer Region, die von Nationalismus, Grenzverschiebungen und industrieller Ausbeutung geprägt ist?

Macht das etwas mit einer?

Immerhin hattest du später einen sicheren Job bei der PKO-Bank in Katowice. Zumindest bis aus Katowice wieder Kattowitz wurde, nachdem die Stadt 1939 infolge der deutschen Besatzung in das Deutsche Reich eingegliedert worden war.

Aber an die Arbeit denkst du jetzt wahrscheinlich nicht.

Vielleicht eher daran, was dich letztendlich hierher vor die Guillotine gebracht hat.

An all das, was nach 1939 kam.

Hast du wirklich gedacht, dass die paar Fahrten nach Hamburg und Leipzig dich einmal den Kopf kosten würden?

Es kam, wie es kommen musste. Das junge Polen war gerade erst wieder auf der Landkarte erschienen, und für viele gehörte es sich nicht, das Land kampflos erneut denselben Mächten zu überlassen.

Aber war Kampf damals nicht Männersache? Frauen galten als „unpolitisch“ und wurden von den Besatzungsbehörden oft unterschätzt. Gerade diese patriarchale Vorstellung machte dich und viele andere für den Widerstand so wichtig.

Von Katowice aus reistest du regelmäßig nach Krakau. Im „Bahnhofshotel“ lerntest du Mitglieder des Netzwerks STRAGAN kennen. Diese polnische Nachrichtenabteilung war ein Zweig der Geheimorganisation Związek Walki Zbrojnej (ZWZ – Bewaffneter Kampfverband). Die ZWZ sammelte Informationen aus dem gesamten Herrschaftsgebiet der deutschen Wehrmacht und leitete sie an die polnische Exilregierung in London weiter.

Du übernahmst die Rolle der Kurierin. Du begannst, dich mit Zügen und Straßenbahnen durch ein von Kontrollen überzogenes Europa zu bewegen. Deine Wege führten nach Hamburg und Leipzig. In Cafés und an vereinbarten Treffpunkten trafst du Kontaktpersonen, erkanntest Parolen wie „Sosnowitz“ oder „Benzin“ und übergabst Informationen über Schiffsbewegungen und Transporte in deutschen Häfen. Du bekamst freie Fahrt, zunächst 40, später 50 Reichsmark und Lebensmittelmarken. Nachrichten lerntest du auswendig oder nähtest sie in Kleidung ein. Unauffälligkeit war überlebenswichtig.

Hattest du Angst?

Wovor hattest du Angst?

War dir das Risiko bewusst?

Würdest du es trotzdem noch einmal machen?

Im Sommer 1942 versuchtest du sogar andere für die Organisation zu gewinnen. Du sagtest, es sei gut, „für Polen tätig zu sein“.

Anfang November 1942 übernahmst du sogar die Organisationskasse der Gruppe – ein Zeichen dafür, wie sehr dir vertraut wurde. Du unterschriebst Schreiben mit der Zahl „4“.

Woran denkst du, Marta, jetzt, wo du dich der Guillotine näherst?

Denkst du daran, wie du die Unterlagen der Organisation verbranntest, als ein Kontaktmann nicht mehr aus Hamburg zurückkehrte? Denkst du an den 1. Dezember 1942, als du zusammen mit Pelagia Szewczykówna in Katowice verhaftet wurdest?

Daran, dass das Gericht darin einen Beweis deiner Schuld sah?

Denkst du daran, wie es gewesen wäre, dem Volksgerichtshof ins Gesicht zu spucken, als er dich am 2. Dezember 1943 zur „einzig möglichen und gerechten Strafe“ für Kriegsspionage verurteilte?

Oder gehst du ruhig?

Mit dem kalten Wind im Gesicht.

Gleich wird alles vorbei sein.

Und selbst die Gewalt, die nicht mit deinem Tod endet, kann dich nicht mehr berühren. Denn auch danach ließ man dir keine Ruhe: Dein Körper wurde dem Anatomen Hermann Stieve für medizinische Experimente übergeben. Bis heute ist unbekannt, wo sich deine sterblichen Überreste befinden.

Aber du bist nicht mehr unbekannt.












Quellen:

Wikipedia: https://pl.wikipedia.org/wiki/Marta_Kosz%C3%B3wna


Abschrift des Urteils des „Volksge­richtshofs” gegen Martha Kosch vom 10. Dezember 1943 Bundesarchiv R 3017/11803

https://www.gedenkstaette-ploetzensee.de/totenbuch/recherche/person/kosch-martha